Wer sagt eigentlich, dass Weltretten nicht auch gut schmecken, wach machen und finanziell attraktiv sein kann? Das Kölner Startup Plastic2Beans bringt Kunststoffrecycling nach Äthiopien und kauft direkt vor Ort Kaffee ein, der Kölner Unternehmer wach macht.

Die Gründer von Plastic2Beans sind drei junge Wissenschaftler aus Köln: Abiye Dagnew, Kunststofftechniker, Dr. Kalie-Martin Cheng, Polymerchemiker, und  Dr. Thomas Tam Giang, Marketingspezialist. Ihr Unternehmen will die Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltigen Handel in Mittelpunkt stellen.

Mit dem Erlös in der lokalen Währung Birr werden Kleinbauern-Kooperativen in Äthiopien unterstützt und hochwertige Kaffees direkt nach Deutschland importiert und gezielt an Unternehmen verkauft.

Am Anfang war ein Paar Schwimmflügel

Alles begann vor ein paar Jahren in Köln, als sich Abiyes Sohn von Kalies Tochter ein paar Schwimmflügel auslieh. So lernten sich die Eltern kennen.

Kalie hatte sich schon länger damit beschäftigt, wie man einen nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen umsetzen kann. Abiye erzählte Kalie von der schwierigen Situation in Äthiopien. Gemeinsam riefen sie Plastic2Beans ins Leben und banden nach und nach immer mehr Freunde mit ein.

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Das Team von Plastic2Beans: schlaue Leute mit guten Zielen

Mittlerweile besteht ein reger Austausch mit dem Botschafter von Äthiopien. Beim Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsforum NRW waren die Gründer von Plastic2Beans als Speaker geladen, ebenso bei Foodhub NRW.

Was die jungen Unternehmer antreibt, ist die Überzeugung, mit vereinten Kräften in Köln und Äthiopien etwas Sinnvolles in Gang setzen zu können. In Äthiopien werden momentan pro Jahr etwa drei bis sechs Milliarden PET-Flaschen neu (!) produziert, Recycling-Systeme gibt es so gut wie keine. Die wertvollen Rohstoffe werden also von Äthiopien ins Ausland verkauft, um recycelt werden zu können. Für die äthiopische Wirtschaft wäre Recycling im eigenen Land ein riesiger Gewinn und ein Wirtschaftssektor, den es aus Sicht von Thomas Tam Giang zu unterstützen gilt: „Es fehlt nur ein technologischer Schritt, um Recycling von PET komplett durchzuführen“, sagt Giang. „Es wird ja Plastik gesammelt, aber weiterverkauft anstatt wiederverwertet zu werden.“

From Bottle to Bottle

Plastic2Beans plant die erste PET-Recyclinganlage Äthiopiens und führt dazu derzeit eine Machbarkeitsstudie durch. Mittlerweile hat das Startup einige Kooperationspartner gefunden: deutsche Abfallunternehmen, die ein „from-bottle-to-bottle“-Recycling-System in Äthiopien mit aufbauen wollen.

Köln ist für Plastic2Beans ein interessanter Ort. Die StartUp-Szene in der Stadt und in ganz NRW wächst rapide. „Die Kooperation mit Zero Waste Köln, die Unterstützung durch das NRW-Gründerstipendium und die weitreichende Förderlandschaft sind für uns sehr fruchtbar“, sagt Giang. Auch vom Social Impact Lab und der IHK zu Köln kommt Unterstützung. „Die Themen Recycling, Mikroplastik- und Müllvermeidung werden immer relevanter und dürften mehr als ein kurzer Trend sein.“

Mit Banken hat das Startup aber nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Gründer von Unternehmen mit einem nachhaltigen oder sozialen Geschäftszweck erhalten oft keine Kredite. „Es überwiegt noch immer die Meinung, damit könne man doch kein Geld verdienen“, sagt Giang. „Manche verurteilen einen regelrecht, weil man mit etwas Gutem Geld verdienen will.“

Mit dem Kaffee haben Plastic2Beans ein dankbares und beliebtes Produkt auf dem Markt, das vielen Menschen und Unternehmen ein intelligentes Modell der zirkulären Wirtschaft und nachhaltigen Wertschöpfung näher bringt. Riecht gut, schmeckt gut – und macht außerdem schlauer!