Klare Kante contra Konsumrausch: Die „Kleiderei“ betreibt professionelles Klamotten-Sharing. Kann das funktionieren?

Vier neue Kleidungsstücke pro Monat – für 29 Euro und solange man will. Klingt nach einem ziemlich guten Deal, oder? „Kleiderei“-Macherin Lena Schröder stellt sich mit ihrem Konzept gegen Fast Fashion von Primark, H&M und Co. Der Großteil ihre Angebote ist Second-Hand-Ware, aber auch ausgesuchte Neuheiten von Fair-Fashion-Labels finden sich im Sortiment.

Wem ein Kleidungsstück während des leihweisen Tragens ans Herz wächst, kann sich sogar für einen rabattierten Kauf entscheiden. Fehlkäufe gibt es auf diese Weise ebenso wenig wie Langeweile im Kleiderschrank. Konsumrausch ohne Kater.

Projekt zum Privatvergnüngen

Wie so viele neue Konzepte entstand die Kleiderei aus einer kleinen verrückten Idee. Die beiden Gründerinnen der Kleiderei Hamburg – Pola Fendel und Thekla Wilkening, gebürtige Kölnerinnen – lernten Lena Schröder während eines Praktikums bei deren nachhaltigem Modelabel kennen. Die drei jungen Frauen freundeten sich an. Fendel und Wilkening zogen zum Studium nach Hamburg und entwickelten dort die Idee für eine Kleiderbibliothek.

Was zunächst nur als Projekt zum Privatvergnügen gedacht war, wurde auch durch Schröders tatkräftige Unterstützung zu einem Konzept mit Geschäftspotential. Sie starteten einen Online-Kleiderverleih, der seit seinem Launch 2012 rasch an Popularität gewann und bundesweit Klamotten verlieh.

Von Online zu Offline

Die Idee „Leihen statt Kaufen“ von Klamotten gab es in Deutschland zuvor in dieser Form nicht – bestenfalls in Form des klassischen Kostümverleihs. Das Presse-Echo fiel dementsprechend riesig aus – und positiv. Lena Schröder beschloss, das Konzept auch offline auszuprobieren und eröffnete 2016 in der Venloer Straße in Ehrenfeld die „Kleiderei Köln“. Auch damit betrat sie absolutes Neuland. Einen Laden, in dem Alltagsklamotten ausgeliehen werden können, gab es zu diesem Zeitpunkt nirgends.

„Das erste Jahr war der Horror“, sagt Schröder. Im Nachhinein kann sie darüber lachen. Da die „Kleiderei“ eine völlig neue Idee war, konnte sie niemanden um Rat fragen. Den großen logistischen Aufwand, den das Konzept mit sich bringt, erkennen viele Kund*innen genauso wenig wie potenzielle Nachahmer. Jedes Kleidungsstück wird sorgsam ausgesucht, gewaschen, aufbereitet, katalogisiert und – bei Schäden – repariert.

Mittlerweile arbeitet Schröder mit ihrem Team an einer eigenen Software und bündelt ihr Wissen für ein geplantes Franchise-Projekt. Eine zweite Offline-„Kleiderei“ hat bereits in Freiburg eröffnet. Die Idee – sie funktioniert.

Konsum ohne Besitz

Eine riesengroße Herausforderung ist es laut Schröder, die Gewohnheiten der Kunden zu ändern. Die meisten der Laufkunden sind zwar sofort begeistert von der Idee, können sich aber das Prinzip für sich selbst nicht vorstellen. „Es muss erst mal Klick machen“, sagt Schröder. „Es geht alles sehr langsam, weil die Leute umdenken müssen.“

Es gibt so einen großen Textilüberschuss.

Lena Schröder, Kleiderei

Die Erkenntnis, dass man für den Mitgliedsbeitrag keine eigene Kleidung erwirbt, sondern das Recht, zu konsumieren ohne zu besitzen, muss sich erstmal in den Köpfen der Kunden festsetzen.

Für die Klamotten gibt es keine Rückgabefristen. Einmal ausgeliehen, darf ein Kleiderei-Kleidungsstück so lange im Kleiderschrank der ausleihenden Person bleiben wie diese will. Hat man sich am Kleidungsstück satt getragen, so kann man es zurückbringen und hat wieder Platz für was Neues im Schrank. „Es gibt einen so großen Textilüberschuss“, erklärt Schröder. „Diesen Überschuss zu verwalten, aufzubereiten und am Leben zu erhalten, das ist die Dienstleistung der Kleiderei.“

Aktuell veranstaltet die Kleiderei die Fasting Fast Fashion Challenge. Bis zum 9. April 2020 läuft die Aktion „Bring your best friend“: Neumitglieder, die zu zweit kommen, erhalten eine Gutschrift von 15€. Das gleiche gilt für Mitglieder, die neue Mitglieder werben.


  • Am 26. April 2020 veranstaltet die Kleiderei im Rahmen der Fashion Revolution Week ihre Kleidertauschparty SWAP IT! im M7173 in der Venloer Straße 474 in Köln-Ehrenfeld.
  • Wer noch mehr über die Kleiderei, bewussten Konsum und fashion sharing wissen will, kann seit neuestem auch die Radiosendungen der Kleiderei auf Dublab hören.  
  • Gut erhaltene Klamottenspenden werden gerne angenommen. Die Klamotten, die die Kleiderei nicht ins Sortiment nimmt, werden an ausgesuchte Wohltätigkeitsorganisationen weitergegeben.

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