Wenn Klimaschutz endlich gelingen soll, bedarf es neuer Ansätze, die wir als Stadtgesellschaft zügig umsetzen können. Und die zugleich wirklich wirksam sind. Einmal im Monat präsentiert Martin Herrndorf, Mitbegründer des Colabor und seit vielen Jahren bei der Agora Köln tätig, eine Idee für besseren Klimaschutz in der Stadt.

Die Trankgasse zwischen Dom und Hauptbahnhof. Screenshot: Open Street Map

Die Trankgasse ist Jahrtausende alt und hat eine wechselvolle Geschichte. Auf 455 Metern führt sie direkt zwischen Dom und Hauptbahnhof Richtung Rhein. Zentraler geht’s nicht.

Heute ist die Trankgasse vierspurig für den Autoverkehr ausgebaut. Sie beginnt an der Ecke Marzellenstraße und führt am Hotel „Excelsior Ernst“ vorbei durch den Tunnel unter der Freitreppe am Bahnhof hindurch.

Die Stadtplaner sehen – Stand Frühjahr 2020 – einen Umbau des Teils zwischen Marzellenstraße und dem Tunnel vor. Die alten, auskragenden Balkone aus den 1970er Jahren sollen weg und durch eine schlichte Mauer ersetzt werden – eine ähnliche Änderung, wie sie schon an der Freitreppe vor dem Hauptbahnhof umgesetzt wurde.

Das ist sicher ein Schritt nach vorne – aber nur ein kleiner! Viel wirkungsvoller wäre es, die Trankgasse ganz autofrei zu machen. 

So würde ein neuer, spannender Raum entstehen: ein urbaner, mondäner Platz. Der zentrale Häuserblock an der Trankgasse 1 bis 9 mit dem Excelsior Hotel Ernst und dem Brauhaus Gaffel würde neu zur Geltung kommen. Zudem entstünde ein ebenerdiger Übergang vom Haupbahnhof zur Hohe Straße. Damit wär die neue, autofreie Altstadt direkt angebunden. 

Der Tunnel unter der Freitreppe würde nicht mehr gebraucht. Was hier alles möglich wäre! Mein Vorschlag wäre, den Ort für zeitgenössische Kunst zu nutzen. Der Kölnische Kunstverein, die Akademie der Künste der Welt und die städtischen Museen könnten den Raum abwechselnd bespielen. Der Tunnel bliebe durchaus erstmal in seiner rohen Anmutung erhalten, wäre aber frei für einen künstlerischen Dialog im Zentrum Kölns.

Die Trankgasse, Ausgang Hauptbahnhof. Was hier alles möglich wäre! Foto: Züger

Der Realitätscheck: Warum nicht?

Vorbilder für neue autofreie Zonen gibt es auf der ganzen Welt: Am bekanntesten sind sicher die Umwidmungen des Time Squares in New York und des Seine-Ufers In Paris. In beiden Fällen gab es vorher Autoverkehr – teilweise durchaus substantiellen – und kaum jemand konnte sich die Neuordnung so richtig vorstellen. Aber Regelungen ohne Autos haben sich bewährt. 

Eine Schließung der Trankgasse sollte einfach möglich sein. Die beiden angrenzenden Areale sind gut von großen Autoachsen erschlossen. Zu Philharmonie, Museum Ludwig und nördlicher Altstadt kommt man leicht über den Tunnel von der Rheinuferstraße. Das Gebiet um die Komödienstraße ist von der Nord-Süd-Fahrt her erschlossen. 

Politik und Verwaltung soll relativ zeitnah über die Umgestaltung der Trankgasse entscheiden. Eine autofreie Trankgasse ist noch nicht wirklich in der Diskussion. Doch zumindest die Bezirksvertretung Innenstadt wünscht sich einen Planentwurf von der Verwaltung, ob und wie das funktionieren könnte.


Ausblick

IDEE DES MONATS #2: Straßenbahnen in Köln – die Rettung vorm Verkehrskollaps? 

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