Fair und nachhaltig in einer Klamotte? Schwierig, aber machbar. Das beweisen die drei Mode-Pioniere von Stacks Ehrenfeld.

Weltweit ist die Entsorgung von Textilabfällen ein Riesenproblem. Allein die Deutschen sortieren alle zwei Minuten fünf Tonnen Altkleider aus. Mit steigender Tendenz.

Wenn es um die Herstellung von Mode unter fairen Bedingungen geht, sind Textilien aus recycelten Stoffen für Stacks-Mitgründer Jorrit Lampe die einzige Option. Die massiven Schattenseiten der Textilindustrie interessierten ihn schon während seines „Clothing Management“-Studiums, waren aber kaum Thema.

Deshalb legte er bei seinen Studienprojekten großen Wert auf Nachhaltigkeit. Seine Bachelor-Arbeit war ein Business-Plan: ein Online-Shop für nachhaltige Mode. Jorrit wollte zeigen, „dass es schon viele coole Brands und Konzepte gibt, und diese noch besser zugänglich machen“.

Es bedufte noch des Impulses seiner Freunde, um aus der Theorie Praxis werden zu lassen. Er tat sich mit Denno und Bernd zusammen und die frei mieteten ein Ladenlokal in der Glasstrasse an. Sie renovierten mit Dennos Know-How als Handwerker den kompletten Laden, bauten die Innenenirichtung, und ein paar Textilmessen-Besuche später öffnete Stacks Ehrenfeld seine Pforten.

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Öko muss nicht hässlich sein: Jorrit Lampe von Stacks.

Auch Bio-Baumwolle hat Riesendurst

Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sind traditionell unterirdisch. „Je mehr man sich damit auseinandersetzt, desto weniger will man damit zu tun haben“, sagt Jorrit. Bei der Auswahl der Ware kommt es bei Stacks deshalb nicht nur auf die stoffliche Qualität und die obligatorische Bio-Zertifikate, sondern auf eine Reihe weiterer Fragen an:

  • Bekommen die Arbeiter einen fairen Lohn?
  • Gibt es gerechte Arbeitsverträge?
  • Haben sie ein Recht darauf, Gewerkschaften zu bilden?

Ein guter Wegweiser ist der Global Organic Textil Standard, kurz: GOTS. Die Zertifizierung prüft soziale und ökologische Aspekte gleichermaßen. Allerdings ist sie teuer, bei Weitem nicht jede Textil-Fabrik kann sie sich leisten.

Manche Labels wie Studio Jux behelfen sich daher anderweitig. Sie statten jedes Kleidungsstück mit einem Hinweis auf den Namen des/der Schneider/in aus, der/die es gefertigt hat und stellen sie auf ihrer Website vor.

Es reicht nicht, wenn Kleidung einfach aus Bio-Baumwolle produziert wird

Jorrit Lampe, Stacks

„Es reicht nicht, wenn Kleidung einfach aus Bio-Baumwolle produziert wird“, finden die jungs von Stacks. Denn auch dabei werde extrem viel Wasser verbraucht. Er bevorzugt Labels, die mit recycelter Baumwolle oder mit neuen, noch wenig bekannten Materialien arbeiten.

Ein Beispiel dafür ist Tencel, eine Naturfaser aus Eukalyptusholz, auch bekannt als Lyosell. Das Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Mit Hilfe einer chemischen Lösung wird die Zellulose aus den Holzspänen gelöst und zu einer Faser versponnen. Die Chemikalie ist zu 99,7 Prozent recycelbar, der Wasserverbrauch deutlich geringer als bei einer Baumwollproduktion.

Verwenden, was schon da ist

Eine Variante von Tecel ist Tencel refibra mit Fasern aus recycelten Textilien. Recycling bringt nach Ansicht Jorrits Mode-Fertigung und Nachhaltigkeit am besten unter einen Hut. „Das Beste für die Umwelt wäre ja eigentlich, wenn niemand mehr Kleidung bräuchte. Für die Menschen in Indien und Bangladesh, die von der Textilproduktion leben, wäre das allerdings der wirtschaftliche Untergang.“ Könnten sie jedoch mit Hilfe von erneuerbaren Energien Kleidung aus schon verwendeten Rohstoffen herstellen, wäre ihre Lebensgrundlage gesichert, ohne die Umwelt zu zerstören.

Nach wie vor hält sich das Vorurteil, Ökomode sei hässlich. „Diese Überzeugung ändert sich aber langsam“, beobachten die Jungs von Stacks. Viele Kunden schrecken außerdem die höheren Preise. Ökologisch und fair produzierte Kleidung ist spürbar teurer ist als ein Standard-Shirt von H&M oder Primark. Dass sie aber auch länger hält als die Fast Fashion der Großkonzerne, spielt für viele Konsumenten (noch) eine untergeordnete Rolle. „Viele müssen in ihrem Shopping-Verhalten grundsätzlich umdenken“, sagt Jorrit.

Shoppen bei Stacks funktioniert übrigens rund um die Uhr. Wenn der Laden geschlossen hat, dann online. Kölner genießen dabei in diesen Corona-Zeiten einen besonderen Service: Wer seine Bestellung per E-Mail oder auf Instagram aufgibt, bekommt die gewünschte Ware persönlich nach Hause geliefert. Darüberhinaus kann man bei Veedelsretter Gutscheine kaufen, die einlösbar sind, sobald der Laden wieder seine Türen öffnet.


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