… kommt das Buch eben zum Leser. Mit dieser berückend simplen Formel hat Amazon erst den Buchmarkt und dann das gesamte Versandgeschäft an sich gerissen. Monopol! Weltweit! Für immer! Doch dann kam Corona …

Zugegeben: Die Nachrichtenportale künden nicht vom Ende der Marktherrschaft, sondern genau vom Gegenteil. „Pandemiegewinnler Amazon“ titelt heise.de, „um fast ein Viertel“ habe die Aktie zwischen Januar und April 2020 zugelegt. Und der Kölner Express meldet: „Der Online-Händler hat inmitten der Corona-Pandemie 100.000 neue Mitarbeiter in den USA eingestellt – und schreibt nun 75.000 weitere Stellen aus, um den großen Andrang von Kunden zu bewältigen.“

Die ins Home Office weggesperrten Konsumenten bestellen aus staatlich verordneter Langeweile jetzt besonders viel. Soviel, dass der Branchenprimus gezwungen ist, Lieferungen zu triagieren. Da sitzt sogar der Prime-Kunde plötzlich nur in der zweiten Reihe, weil sein neuestes Gadget nicht „systemrelevant“ genug ist, um wie gewohnt umgehend nach dem Bestellklick auf die Reise zu gehen.

Amazon priorisiert Bestellungen neuerdings nach Dringlichkeit.

Trotzdem lassen sich im neuerlichen Höhenflug des Multiversorgers auch Anzeichen eines möglicherweise bevorstehenden Sinkflugs ausmachen. Und das sogar hier in Köln. Echt jetzt? Echt jetzt!

Mit Büchern startete Amazon-Gründer Jeff Bezos Mitte der 1990er Jahre seinen Siegeszug rund um die Welt. Mit Büchern könnte er nun enden. Die Corona-Restriktionen machen so manchem lokalen Einzelhändler Beine. Seit die Geschäfte geschlossen bleiben müssen, kommen immer mehr von ihnen auf die Idee, ihr Angebot bis direkt vor die Wohnungstüren der Kunden zu liefern. Und zwar kostenfrei und megaschnell. So wie man das bisher (fast) nur von Amazon kannte.

Warum nicht gleich so? Ich als Kunde stärke mit Freuden den Kaufladen in der Nachbarschaft, wenn der Service genauso gut ist wie beim globalen Marktführer. Da hat Ressourcen-schonender Konsum ja gar nichts mit Verzicht zu tun!

Buchladen Nippes Lieferservice Köln fff.cologne
Sogar mit Schokolädchen: Buch vom Leselieferservice. Fotos: Züger

Es gibt überhaupt keinen Grund, nicht lokal/regional einzukaufen, wenn die Ware meiner Wünsche zum gleichen Preis und ähnlich flott zu mir gelangt, als hätte ich sie beim Monopolisten bestellt. Wenn ich nur weiter fett, faul und bräsig im Internet ordern kann, tue ich es mit Freude und Überzeugung auf der liebevoll Hand-gepixelten Website meines Nahversorgers und zeige dem turbokapitalistischen Bösewicht meinen digitalen Stinkefinger.

Der lokale Leselieferservice muss bleiben. Unbedingt!

Fragt sich allerdings, wieso die Händler vor Ort nicht schon früher auf die Idee gekommen sind, uns Verbraucher wie das zu behandeln, was wir spätestens seit Einführung des Online-Handels nun einmal sind: Maden im Speck. Erzähl‘ mal so einer Made, dass sie den wärmenden Speckmantel verlassen muss, um Specknachschub zu besorgen, wenn sie den Speck genauso gut zu sich kommen lassen kann, ohne mehr als einen Finger krumm machen zu müssen! Musste wirklich erst ein schlecht gelaunter Krankheitserreger vom Pangolin auf den Menschen überspringen, ehe der Buchhändler meines Herzens zu mir nach Hause kommt?

Bitte, liebe Buchhändler: Auch wenn die Corona-Einschränkungen am Mitte April 2020 nun schrittweise wieder gelockert werden: Behaltet diesen Service unbedingt bei! Dafür bestelle ich auch nie wieder ein Buch bei Amazon, versprochen! Und du, lieber Leser, bitte auch nicht. In diesem Verzeichnis Kölner Buchhandlungen findest du garantiert einen Leselieferservice, der auch dich beschickt.

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