Die Macher des Kölner Eco-Fashion-Store „Kiss The Inuit“ sammeln noch bis Ende April 2020 gebrauchtes Denim, um daraus neue Shirts zu fertigen.


Fanny’s Fashion Friday kommt heute ausnahmsweise nicht von Annelie Moreira, sondern von Markus Düppengießer.

Das Kölner Geschäft Kiss The Inuit im Agnesviertel bietet ökofaire Mode.
Katharina und Mitarbeiterin Steffie Gräwe vor dem Jeansberg im Iglu

Im Iglu stapeln sich gerade Säcke voller Jeans. Was deutlich weniger irritierend klingt, wenn man weiß, dass das Iglu im Kölner Agnesviertel kein Haus aus Schnee ist. Sondern eine Art Nebenstelle von Kiss The Inuit (daher auch der Name), einem Geschäft, in dem seit neun Jahren ökofaire Mode angeboten wird.

Kleidung im Iglu ist also prinzipiell nichts Ungewöhnliches. Aber die Säcke stehen hier nur bis Ende des Monats. Sie sind Ergebnis der Aktion „Rette mit uns 10.000 Jeans“, die einerseits das Ziel hat, die Menschen über Ressourcen-Verschwendung aufzuklären. Andererseits soll der gesammelte Stoff das Ausgangsmaterial werden für die erste Kollektion recycelter Köln-Sweater.

„Wir haben diese große Zahl genommen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen“

KATHARINA PARTYKA, KISS THE INUIT

„Bei uns werden beinahe täglich Hosen abgegeben“, sagt Katharina Partyka, die die Aktion gemeinsam mit dem niederländischen Modelabel Blue Loop Originals initiiert hat. „Die Menschen freuen sich wahnsinnig darüber, dass sie einen Beitrag zum Recycling leisten können“, berichtet die Inhaberin von Kiss The Inuit.

Dass am Ende das Ziel von 10.000 Jeans nicht erreicht wird, sei nicht so wichtig, sagt sie. „Wir haben diese große Zahl genommen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, auch bei den Medien – und das hat geklappt.“ Zeitungen wie Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau und Rheinische Post hätten ebenso berichtet RTL West und die WDR-Lokalzeit im Fernsehen.

Konsequente Kreislaufwirtschaft

Die Sammlung wurde Mitte Februar 2020 gestartet und sollte eigentlich bis Ende März dauern. Wegen der Coronakrise waren die Sammelstellen zwischenzeitlich geschlossen worden, deswegen besteht jetzt noch bis Ende April 2020 die Möglichkeit, mit seinen ausrangierten Klamotten einen Beitrag zu der umweltfreundlichen Aktion im Sinne einer konsequenten Kreislaufwirtschaft zu leisten.

Für die Produktion neuer Textilien benötigt man so wesentlich weniger Frischfaser und spart reichlich Kohlendioxid und Wasser ein. Quasi nebenbei sollen die Menschen über Textil-Recycling aufgeklärt werden – und an dem Produkt, das neu entsteht, teilhaben können.

Mit Plakaten wird auf die Aktion hingewiesen – und darauf, dass sie verlängert wurde.

Mehr als acht Millionen Liter Wasser gespart

Bislang sind gut 1500 Jeans zusammengekommen. Die Neuzugänge werden auf auf einer kleinen Tafel vermerkt, die im Iglu steht. Diese Menge würde schon dazu ausreichen, um 10.000 Sweatshirts herzustellen – und dabei mehr als acht Millionen Liter Wasser zu sparen.

Der gesamte Ertrag wird in Münster von einer Textilrecycling-Firma geschreddert. Eine belgische Spinnerei verspinnt die Baumwollfasern zu Garn, aus dem in Portugal dann die limitierten Sweatshirts hergestellt werden. Auch wenn in geringer Stückzahl schon mal Shirts in ähnlicher Art produziert wurden: Der Köln-Sweater wird neu designt: „Den gab es so noch nie“, sagt Partyka.

„Die Sachen müssen zu mindestens 90 Prozent aus Baumwolle sein“

Katharina Partyka, Kiss The Inuit

Es können nicht nur Hosen gespendet werden, sondern auch Jacken, Röcke und Taschen. „Die Sachen müssen nur zu mindestens 90 Prozent aus Baumwolle sein, am besten zu 95 Prozent. Und bitte kein Elasthan-Kram!“ Gelegentlich würden auch Jeggings vorbeigebracht, also Leggings, die wie hautenge Jeans anmuten, aber aus Chemiefasern bestehen; die werden aussortiert.

Fair produziert müssen die Stücke allerdings nicht sein – und auch nicht blau. Noch steht nicht fest, welche Farbe die fertigen Sweater haben sollen. Möglich, dass mit Biofarbe nachkoloriert wird.

Auch der Zeitplan ist wegen der Coronakrise noch unsicher. Die Kollektion wird Blue Loop Originals in ausgewählten Shops wie Kiss The Inuit verkaufen; nach ursprünglicher Planung ab Sommer. „Wahrscheinlich wird es jetzt bis in den Spätsommer dauern“, schätzt Partyka.

Der Preis wurde noch nicht festgelegt. Der Einstieg könnte bei 59 Euro liegen, der reguläre Preis später bei 89 Euro – ohne Gewähr.

Die Tonne, in der sonst alte Jeans gesammelt werden, reicht momentan nicht.

Günstiger als faire Mode, teurer als Massenware

Die Pullis werden also relativ preiswert sein für faire Mode, aber teurer als konventionelle Kleidung und viel teurer als das, was die großen Textil-Ketten anbieten. „Fast Fashion ist eine der Hauptursachen für Umweltschäden“, schreiben die Ladenbetreiber auf ihrer Homepage.

„Fast Fashion ist Müll. Den kann man nicht recyceln, nur verbrennen“

Katharina Partyka, Kiss The Inuit

Auch vor Ort scheut Katharina Partyka das klare Wort nicht: „Wer Fast-Fashion-Scheiße kauft, kauft Müll. Den kann man nicht recyceln, nur verbrennen.“ Schnelllebige Mode bestehe zumeist aus einem minderwertigen Materialmix. „Wenn man das wiederverwenden will, brechen die Fasern. Aber Denim ist ein wertvoller Rohstoff.“

Allerdings fällt ihr auf, dass immer wieder fast unbenutzte Jeans vorbeigebracht werden. Die zu schreddern ist natürlich nicht im Sinne des Umweltgedankens. „Das tut mir in der Seele weh. Die Sachen müsste man eigentlich an Bedürftige weitergeben, aber dafür haben wir nicht die Kapazitäten.“

So können alte Jeans gespendet werden

Wegen der Corona-Auflagen gibt es im Iglu (Sudermanplatz 1, Ecke Maybachstraße) momentan keinen regulären Betrieb. Aber wochentags, mindestens zwischen 10.30 und 18 Uhr, steht immer ein Karton vor der Tür, in den man die Jeans hineinwerfen kann.

Jeanssammelkorb vor dem Iglu
Vor dem Iglu steht ein Korb, so dass man Jeans kontaktlos spenden kann.

Weitere Optionen: per Post schicken oder in einer Tasche an die Klinke hängen. „Wir kontrollieren das immer wieder, allerdings nicht unbedingt am Wochenende“, so Partyka.

Außerdem kann man sie im Shop in der Schillingstraße 11 vorbeibringen; jedoch sind die Öffnungszeiten in dieser Corona-Zeit eingeschränkt auf montags und donnerstags von 10.30 bis 16 Uhr. Auch im Bonner Laden (Friedrichstraße 58, 53111 Bonn) wird gesammelt.


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