Vom Fenster aus für eine bessere Welt

    Die Woche vom 20. bis 26. April 2020 nutzen Klimaktivisten weltweit für Online-Protestaktionen.

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    Fashion Revolution Week, Earth Day und Globaler Klimastreik: Bis Sonntag, 26. April 2020, erleben wir eine Woche der Online-Proteste.

    Zu Hause bleiben und trotzdem (klima-)politisch aktiv sein? Gar nicht so einfach. In der aktuellen Woche vom 20. bis 26. April 2020 aber gibt es gleich mehrere Möglichkeiten dazu: die Fashion Revolution, der Earth Day und der Globale Klimastreik. Positiv ausgedrückt: Es war nie leichter zu demonstrieren. Du musst dazu nicht einmal die Couch verlassen – es geht sogar im Schlafanzug. Der Nachteil allerdings: Damit fällt auch die letzte Ausrede flach, nicht dabei zu sein.

    20. bis 26. April: Fashion Revolution Week

    Online-Klimaaktionen in Köln: Fashion Revolution Week
    Kampagnenslogans wie dieser finden sich zum kostenlosen Download auf www.fashionrevolution.org

    An jedem Tag der Woche sollen Zeichen gesetzt werden gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung in der Modeindustrie. Das Datum hat einen tragischen Hintergrund: Es erinnert an den 24. April 2013, als in Bangladesch ein Gebäudekomplex mit mehreren Textilfabriken einstürzte und 1138 Menschen zu Tode kamen.

    Zum Dresscode gehört es, mindestens ein Kleidungsstück auf links anzuziehen und mit einem Hinweis auf die Fashion Revolution Week zu versehen. Das geht auch auf dem Weg zum Supermarkt oder zur Arbeit, beim Joggen oder Spaziergehen.

    Damit Nicht-Eingeweihte die Aktion erkennen, lässt sich das Outfit um ein selbst gemaltes oder gesticktes Demoschild ergänzen; oder um einen Aufnäher: Der ökofaire Modeladen Kiss The Inuit – der übrigens bis Ende April 2020 Jeans sammelt, um daraus Köln-Sweater zu fertigen – will dazu am Freitag, 24. April, ab 15 Uhr eine Anleitung ins Netz stellen.

    Online-Klimaaktionen in Köln: Fashion Revolution Week
    Näherin in einer Textilfabrik in Dhaka, Bangladesch. Foto: Gisela Burckhardt/Femnet e. V.

    Kampagnen-Slogans – auch für die Sozialen Medien – kannst du hier hier kostenlos herunterladen. Ein Bild oder eine Story von dir postest du dann bei Instagram und Facebook mit den Hashtags#FashRevCologne, #FashionRevolution, #WhoMadeMyClothes.

    Am Wochenende wird getanzt: Von Freitag bis Sonntag, 24. bis 26. April, jeweils um 16 Uhr, soll jede und jeder mitmachen. Am offenen Fenster, auf dem Balkon oder unterwegs, zu einem Lied eigener Wahl. Unsere Vorschläge: „Fashion“ von David Bowie oder „Tanz die soziale Distanz“ von Theodor Shitstorm.

    Wichtig auch hier: versammeln verboten! Aber dafür umso mehr Bilder und Videos in die Sozialen Medien stellen: #DanceForSlowFashion.

    21./22. April: Earth Day

    Online-Klimaaktionen: Earth Day
    Parachutes For The Planet bei einer FFF-Demo in Aachen 2019. Foto: Sandra Prüfer

    Auch der Earth Day fällt in diese Woche. Der Tag der Erde wird weltweit am 22. April 2020 begangen und soll die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken – in diesem Jahr bereits zum 50. Mal. Die Bonner Umwelt-Networking-Gruppe Green Drinks feiert diesen Special Earth Day schon einen Tag früher, und zwar am Dienstag, 21. April, um 19 Uhr. Mit einem virtuellen Zoom-Meeting mit Vorträgen, Poetry Slam und Live-Musik, an dem alle Interessierten von ihren Rechnern oder Smartphones aus teilnehmen können.

    Als Special Guest der digitalen #EarthRise-Party wird Barton Rubenstein dabei sein. Der Künstler, Wissenschaftler und Umweltaktivist hat 2015 die Non-Profit-Organisation Mother Earth Project mitgegründet. Er berichtet von der bevorstehenden Installation einer von ihm gestifteten Mother Earth Sculpture – der ersten in Europa – an der Bonner Rheinufer-Promenade und der Idee dahinter.

    Online-Klimaaktionen: Earth Day
    Visualisierung der Mother Earth Sculpture am Bonner Bogen. Foto: Jörg Haas/Barton Rubenstein

    Es gibt eine Online-Präsentation des Kunstprojekts Parachutes for the Planet, bei dem es darum geht, Spiel-Fallschirme bunt zu bemalen – als eine Metapher zur Rettung der Erde. Bislang haben sich daran Schulen und Umweltgruppen in 73 Ländern auf sechs Kontinenten beteiligt, darunter 20 aus Bonn. Die wurden im vergangenen Jahr bei Fridays-for-Future-Demos durch Bonn und Aachen getragen.

    Zudem stellt Filmemacherin Johanna Jaurich (fechnerMedia) ihr Filmprojekt „Fridays – It’s our Future“ vor. Die Doku, die per Crowdfunding finanziert wird, berichtet von der Entwicklung der FFF-Bewegung. Sieben Jugendliche, die in besonderem Maße von den Problemen der heutigen Zeit betroffen sind, geben Einblicke in ihren Alltag in Europa, Asien, Ozeanien, Afrika, Nord- und Südamerika.

    Klimaaktionen: Doku mit Luisa Neubauer
    Szene aus der Doku „Fridays – It’s our Future“ mit Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Foto: fechnerMedia

    Üblicherweise finden die offenen Vereinstreffen an jedem zweiten Dienstag im Monat an wechselnden Orten im Bonner Stadtgebiet statt. Hier gibt’s mehr Infos. Das Online-Meeting ist für Teilnehmer kostenfrei. Nach der Registrierung über Eventbrite erhält man ein Passwort für den Zoom-Zugang. Wer neu bei Zoom ist, kann schon um 18.45 Uhr beitreten und erhält eine kurze technische Einführung.

    24. April: Globaler Klimastreik

    Der Höhepunkt der Woche ist der Globale Klimastreik am Freitag. „Jetzt entscheidet sich, wie die Welt nach Corona aussehen wird: klimafreundlich oder voller dicker Autos“, heißt es dazu bei Fridays for Future. Geplant ist die größte Online-Demo aller Zeiten – mit Netz- und Fensterstreik sowie mehreren Live-Streams.

    Zum Fensterstreik gehört übrigens doch, dass Aktivisten auf die Straßen gehen, allerdings ohne dabei gegen die Corona-Regeln zu verstoßen: Zu zweit werden zusammenlebende Menschen auf Lastenrädern durch Köln fahren und Stimmung machen.

    Wer wenigstens ein eigenes Demoschild dabei sein lassen will, kann das machen. Die Schilder werden am Freitag am Alter Markt ausgestellt und danach für eine Kunstaktion verwendet. Es gibt mehrere Sammelstellen, die die Schilder bis Mittwoch, 12 Uhr, annehmen. Bisher gehören dazu:

    Online-Klimaaktionen in Köln: Globaler Klimastreik
    Zum Streiken ans Fenster: Für ein anderes System. Foto: Zero Waste Köln

    Alle anderen können die Demo von ihren Fenstern aus lautstark unterstützen. Oder ins Internet gehen. Um 12 Uhr beginnt die Online-Demo von Fridays for Future auf deren Youtube-Kanal – mit Livemusik und Reden von Aktivistinnen und Aktivisten wie Greta Thunberg.

    Auch Fridays for Future Köln bietet auf seinem Youtube-Channel ein zweistündiges Live-Programm mit Infos und Unterhaltung. Los geht’s um 14 Uhr. Den ganzen Tag über läuft der Netzstreik.

    Unter den Hashtags #netzstreikfürsklima, #climatestrikeonline und #UniteBehindTheScience2404 sollen alle Bilder von ihren Demoschildern, Bannern und sonstigen Aktionen posten, um zu zeigen, dass sie auch in Zeiten von Corona gegen den Klimawandel kämpfen. Jetzt erst Recht!

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