Shipsheip machen Business-Kleidung, aber nachhaltig. Das Label bietet online und im eigenen Lädchen in der Kölner Körnerstraße kleine feine Kollektionen.

Als Joana Ganser noch Modedesign in Düsseldorf und Berlin studierte, war Öko-Mode etwas, das es in Dritte-Welt-Läden zu kaufen gab. Mit den Style-Vorstellungen junger Studentinnen hatte das wenig zu tun. „Egal, wie fair es produziert ist, es muss auch modisch sein“, sagt Joana. „Niemand zieht einen Kartoffelsack an.“ Daniela Wawrzyniak studierte Theologie mit dem Fokus auf Wirtschaftsethik, und gemeinsam kamen sie zu dem Schluss, dass Ästhetik und Ethik untrennbar zusammengehören.

Die beiden gründeten Shipsheip und fuhren gemeinsam nach Indien. Sie wollten den Entstehungsprozess von Kleidung von A bis Z kennenlernen. Durch eine Kooperation mit den Drei Freunden konnten sie vor Ort den Weg vom Baumwollfeld in die Spinnerei und Strickerei bis zur Färbung und Flächenproduktion verfolgen. Nach ihrer Rückkehr begannen Daniela und Joana fairtrade-Schals zu produzieren.

„Natürlich können wir heute nicht bei jedem Produkt behaupten, dass wir persönlich auf dem Baumwollfeld waren“, räumt Joana ein. Es besteht aber ein persönlicher Kontakt zu den Betreibern der Baumwollfelder, den Färbereien, Strickereien und Schneidereien.

Holistic Fashion

Der Grundgedanke hinter Shipsheip ist die Idee des geschlossenen Kreislaufs. Shipsheip nimmt jedes Produkt, das kaputt gegangen ist, zurück und verwendet es weiter. Gleiches gilt für die Stoffreste aus Produktionsstätten, aus denen Scrunchies oder Kopfbänder entstehen. Hier landen vor allem die Abfälle aus dem On-Demand-Segment, bei dem sich die Kunden in einem vorgegebenen Rahmen Kleidungsstücke nach ihren Wünschen konfektionieren können.

Echtes Upcycling betreiben Shipsheip allerdings nicht. Joana verwendet beispielsweise aus Prinzip kein Recycling-Polyester, da die Nachfrage nach diesen Produkten so groß ist, dass mittlerweile Plastik gezielt für Recycling Polyester produziert wird. Außerdem sondert auch wiederaufbereitetes Polyester Mikroplastik ab.

Online ein Shop, offline ein Lädchen

Nach dem erfolgreichen Online-Launch 2016 ergab sich die Möglichkeit, ein Ladenlokal in der Körnerstraße in Köln-Ehrenfeld zu eröffnen. Ein stationäres Geschäft war eigentlich nicht geplant, doch der Schritt hat sich als positiv erwiesen. Joana schätzt das direkte Kundenfeedback, dass es online so nicht gibt.

Zur Zeit der Shoperöffnung beschränkte sich das Sortiment auf die Schals von Shipsheip und hauptsächlich Schmuck, Taschen und Lederwaren, die sie sorgfältig kuratierten. Als gelernte Designerin wollte sich Joana aber nicht auf Accessoires beschränken. Gemeinsam mit Daniela entschloss sie sich, aufs Ganze zu gehen. Ein Förderprogramm der GLS Bank brachte die nötigen finanziellen Mittel.

Über Fairtrade Deutschland fand sich ein Unternehmen in Portugal, das bis heute für Shipheip produziert. Die ersten Kleider-Kollektionen entstanden, es folgten Messebesuche und neue Erfahrungen mit den Rhythmen der Modeindustrie. Doch die Aufbauarbeit kostete Kraft. Daniela entschloss sich, aus dem Unternehmen auszusteigen. Joana führt die Geschäfte mittlerweile allein.

Mehr Spezialisierung wagen

„Was ich mir für die fair fashion wünsche, ist eine Spezialisierung“, sagt sie. Bisher glichen fair fashion-Projekte oftmals einem Gemischtwarenladen, in dem sich alles Mögliche findet. Shipsheip fokussiert sich auf Business-Kleidung und schicke Sachen. Die Ready to wear- Kollektion besteht aus zwei Segmenten, Basic und Limited editions genannt. Von den einzelnen Varianten der Styles werden 50 bis Maximal 150 Teile angefertigt. Das Design ist hochwertig und aufwendig.

„Die Zeit ist reif, verschiedene Zielgruppen, Geschmäcker und Anlässe zu bedienen“, sagt Joana. Ihre Kunden machen’s möglich: Für gute Verarbeitung und Qualität greifen sie gerne etwas tiefer in die Tasche.  


Zur Website von Shipsheip.

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