Lange Zeit ging an jedem ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr die Sonne hinterm Dom auf. Eigentlich immer, wenn die Kölner Abordnung der Bewegung Pulse of Europe zu ihrem Treffen lud, klärte sich der Himmel auf und präsentierte sich in der Farbe, die am besten zu so einer proeuropäischen Initiative passt: in strahlendem Blau.

Zwar haben sich 2020 die Ausnahmen gehäuft. Zweimal ließ Corona die übliche Versammlung platzen, ein paar Male regnete es. Und sowohl im Juni als auch im Juli tagte die Demoreihe erst am zweiten Sonntag. Dennoch bleibt es eine gute Idee, sich den regelmäßigen Demos anzuschließen. In dieser „blauen Stunde“ sprechen mehr oder weniger prominente Menschen zu einem Thema mit Europabezug. Meist bleibt auch Zeit für das Offene Mikrofon mit Wortmeldungen aus dem Publikum. Traditionell gibt es ein musikalisches Beiprogramm, die „Ode an die Freude“ mit Menschenkette ist als Abschluss fest im Programm.

Bei der nächsten Kundgebung am Sonntag, 12. Juli 2020, ab 14 Uhr (hier alle Infos) spricht ein Vertreter von Kölle for Future, einem Bündnis verschiedener Organisationen wie Fridays for Future und Parents for Future. Ein Wirtschaftswissenschaftler von Pulse of Europe Düsseldorf wird die gerade begonnene deutsche EU-Ratspräsidentschaft mit Blick auf den Green Deal analysieren. Das Norbert-Gymnasium Knechtsteden stellt das Umweltprojekt „Auf der Arche um 5 vor 12“ vor, bei dem es zwei Jahre lang mit Partnerschulen aus Lettland, Italien, Norwegen, Rumänien und Polen zusammenarbeitet.

In erster Linie richten sich die Treffen nicht – wie andere Demonstrationen – gegen einen akuten Missstand. Es geht darum, „den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar zu machen“, wie es in den „Zehn Grundsätzen“ der überparteilichen und parteiunabhängigen Bewegung heißt. „Wir sind überzeugt, dass die Zahl der Menschen, die der europäischen Idee positiv gegenübersteht, größer ist als die Zahl der Gegner.“

Umweltprobleme auf europäischer Ebene lösen

Das Bewusstsein wächst, dass Klima- und Umweltschutz auch im europäischen Zusammenhang eine steigende Bedeutung zukommt. „Dieses Europa ist die Ebene, auf der die wichtigen Zukunftsfragen angegangen werden können, die auf nationalstaatlicher Ebene nicht zu lösen sind“, sagt Stefan Bildhauer. Er leitet das International Office der Kölner Universität und ist Mitglied im Organisationsteam von Pulse of Europe Köln. Man wolle die Bühne bilden und Gesprächssituationen herstellen, „um diese Themen aus der europäischen Perspektive gemeinsam zu diskutieren“.

Die monatliche Versammlung ist das öffentliche Aushängeschild von Pulse of Europe, aber vieles passiert auch im Hintergrund. Vom „Hausparlament“, bei dem sich vier und acht Menschen im privaten Rahmen treffen, um sich über europäische Fragen auszutauschen, bis zum Programm „Europa ist deine Zukunft“ mit Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse.

So voll wie im September 2017 wird es nicht immer bei den Kundgebungen.

Pulse-of-Europe-Kundgebungen finden europaweit am ersten Sonntag des Monats statt, in Köln erstmals am am 5. Februar 2017 – noch direkt vor dem Hauptbahnhof. Wegen des großen Zuspruchs musste die Demoserie bald auf die andere Domseite wechseln. „Zwischenzeitig, vor den wichtigen Wahlen in den Niederlanden oder Frankreich und vor den Europawahlen, sind bis zu 3500 Menschen gekommen“, erinnert sich Bildhauer. Zuletzt habe sich die Zahl bei 250 bis 300 Teilnehmern eingependelt.

Kreidekreuze, um den Mindestabstand einzuhalten

Corona macht seit Monaten viele Veranstaltungen unmöglich. Im April etwa mussten Fashion Revolution Week, Earth Day und Globaler Klimastreik ins Internet umziehen, aus öffentlichen wurden Online-Proteste. Auch die Critical Mass Köln trifft sich eigentlich an jedem letzten Freitag im Monat zu einer „Protestfahrt“: Hunderte, oft gleich Tausende Radler fahren durch die Stadt, um „auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufmerksam zu machen“. Zu Coronazeiten fallen die Touren aus.

Pulse of Europe Köln hat die Kundgebung im April abgesagt, die im Mai fand nur als Youtube-Video statt. Seit Juni aber geht es weiter. Maskenpflicht gilt sowieso. Damit auch die übrigens Hygiene-Vorgaben beachtet werden, machen die Veranstalter etwas, was bei Demonstrationszügen wenig bringen würde: Sie malen Kreidekreuze auf den Boden, an denen sich die Teilnehmer orientieren können, um den Mindestabstand einzuhalten.

Mit diesen Vorgaben ist auch die Versammlung am Sonntag, 12. Juli 2020 möglich. Schwerpunkt ist der „Green Deal“. Nach diesem Konzept soll die Europäische Union bis 2050 die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und damit als erster Kontinent klimaneutral werden.

Im Mai 2017 bauten die Teilnehmer auf dem Roncalliplatz symbolisch eine Kartonmauer auf und rissen sie ein.

Bislang standen Umweltthemen nicht derart prominent auf der Agenda. In den „Grundsätzen“ werden sie nicht ausdrücklich erwähnt, waren eher implizit mitgemeint. „Aber auch schon auf früheren Veranstaltungen ist das Thema Klima- und Umweltschutz zur Sprache gekommen. Eben weil es einer gemeinsamen europäischen Lösung – und Vorbildfunktion – bedarf“, sagt Stefan Bildhauer. So sprachen beispielsweise schon eine Vertreterin von Fridays for Future und Harald Rau, der Sozial- und Umweltdezernent der Stadt Köln, vor den Demonstrierenden.

Mehr Einsatz im Klima- und Umweltschutz gefordert

Den Green Deal hat die Europäische Kommission unter Ursula von der Leyen ausgearbeitet. Aber nicht nur deswegen wird das Thema künftig noch stärker in den Vordergrund treten. Der Wunsch dazu kam auch aus den Reihen der Teilnehmer. Im Mai veranstaltete Pulse of Europe Köln eine Umfrage. Auf die Frage, wo die Europäische Union ihr Engagement steigern solle, wurde am häufigsten der Klima- und Umweltschutz genannt. „Die Befragten fordern von der EU – trotz Corona-Krise und massiven wirtschaftlichen Einbrüchen – in allererster Linie mehr Einsatz für den Kampf um den Klima- und Umweltschutz“, fasste es Bildhauer zusammen.

1 KOMMENTAR

  1. „GRÜN UND BLAU“… können auch seeehr positiv sein, wie dieser Beitrag zeigt ! Am besten am SONNTAG, 12. Juli, mal selbst auf den Roncalliplatz kommen: zur „blauen Stunde“ mit DEM „grünen“ Thema schlechthin:

    EUROPAs GREEN DEAL im Thenenfokus von Pulse of Europe Köln.

    Man/n sieht sich?! Frau auch !!

Kommentar verfassen