Das pflanzenbasierte Eis des Kölner Start-ups soll den besten Geschmack haben – und das beste Gewissen.

Muss Speiseeis aus Milch und Sahne sein, um gut zu schmecken? Das fragten sich 2016 drei Kölner Studierende und Freunde des kühlen Naschwerks. Sie hatten „Cowspiracy“ gesehen, eine Doku über den negativen Einfluss der Viehwirtschaft auf die Umwelt. Danach wollten sie ein Eis produzieren, das ohne Massentierhaltung auskommt. Auf rein pflanzlicher Basis und richtig lecker.

Rebecca Göckel (24) ist heute Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma.
Rebecca Göckel (24) ist heute Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma.

„Damals gab es nur ein veganes Eis im Supermarkt, und das schmeckte nicht“, erinnert sich Rebecca Göckel. Sie studierte seinerzeit Medienmanagement. Die beiden anderen, mit denen sie ihre Geschäftsidee entwickelte, waren für Betriebswirtschaft eingeschrieben. Einer von ihnen ist inzwischen ausgestiegen, mit dem anderen, Jan Grabow, hat sie vor zwei Jahren eine Firma gegründet. Heute wird in einer Hamburger Eismanufaktur produziert und bundesweit an 1000 Supermärkte geliefert. Das Unternehmen ist zu einem 18-köpfigen Team herangewachsen. Die Zentrale sitzt in einem Loft in Köln-Ehrenfeld, einer alten Tabakfabrik.

„Ich wusste, daraus wird was ganz Großes“.

Rebecca Göckel

Wie sich das für eine Startup-Geschichte gehört, waren die Anfänge deutlich bescheidener. „Wir haben uns für die Herstellung eine Küche am Barbarossaplatz angemietet und produzierten nach 20 Uhr oder am Wochenende“, erzählte Göckel dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im April 2017. Heute sagte sie: „Das hatte schon ein gewisses Garagenflair, so wie bei Steve Jobs oder den Gründern von Amazon und Google. Ich wusste, daraus wird was ganz Großes.“ Auch wenn sie vorerst nicht mal bis Bonn oder Düsseldorf liefern konnten: „Unsere Kunden waren ein paar Cafés in der Innenstadt und Leute, die über unsere Homepage bestellten. Die sind wir persönlich mit dem Fahrrad abgefahren.“

Den Begriff „vegan“ meidet man lieber.

Der Markenname „Nomoo“, kein Muh, deutet darauf hin, dass die Herstellung ohne Kuhmilch auskommt. Das Produkt ist vollständig vegan, den Begriff meidet man jedoch lieber. Der erste Slogan hieß noch: „Veganes Eis – natürlich aus Köln“. Heute steht „pflanzlich“ auf der Packung. „Wir wollen kein nischiges Produkt anbieten, das nur Veganer anspricht, sondern eins für alle.“ Vegan werde nach wie vor oft gleichgesetzt mit „schmeckt nicht“. Vorgängerversuche anderer Hersteller hätten stark nach Soja geschmeckt – und ziemlich fade. „Das hat den Ruf von veganem Essen kaputtgemacht.“

Auf den Geschmack wird bei Nomoo größten Wert gelegt. „Es gibt ja immer die eine beste Diele in der Stadt, die extrem leckeres hausgemachtes Eis hat. Und diesen Qualitätsanspruch wollen wir in den Supermarkt bringen“, sagt Rebecca Göckel. Um diese Qualität bei einer neuen Sorte zu erreichen, bestellen sie Fruchtpüree bei verschiedenen Lieferanten und machen mit dem gesamten Team Blindverkostungen, bevor sie sich entscheiden. „Ein Eis durchläuft eine sehr große Optimierungsschleife, bis wir sagen: Diese Sorte bringen wir jetzt raus.“

Neben Supermärkten beliefert Nomoo bundesweit etliche Gastronomien – und elf in der Schweiz.
Neben Supermärkten beliefert Nomoo bundesweit etliche Gastronomien – und elf in der Schweiz.

In das Eis kämen nur natürliche, bio-zertifizierte Zutaten, keine Geschmacksverstärker oder Farbstoffe. Und der Anteil an Leitzutaten sei ungewöhnlich hoch, so Göckel: „Unser Mangoeis besteht zu 42 Prozent aus indischen Alphonsomangos, der weltbesten Mango. Bei anderen Anbietern liegt der Fruchtanteil eher bei der Hälfte. In unserem Kakaoeis haben wir zwölf Prozent peruanischen Edelkakao. Bei anderen sind es drei Prozent – wenn’s hoch kommt, vier.“

Weniger Zucker und Kalorien, die Verpackung plastikfrei

Nicht nur der Geschmack des Eises soll der beste sein. Er soll auch mit gutem Gewissen zu genießen sein. Deshalb wird noch mehr aufgefahren: weniger Zucker und Kalorien als in üblichem Eis, die Verpackung plastikfrei. Um den Klimawandel zu bekämpfen, werde der Kohlendioxid-Abdruck so deutlich wie möglich klein gehalten, sagt Göckel. Und das, was übrigbleibt, werde nicht nur einmal kompensiert, sondern zweimal: durch doppelte Investitionen in das brasilianische Projekt Jacundá, das den Regenwald schützt. „Wir sind also nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv.“

„Wir wollen den Eismarkt revolutionieren.“

Rebecca Göckel

Nun könnte man sich fragen, warum erst Zutaten um die halbe Welt geflogen werden müssen, um dann Geld für den Regenwald zu spenden. „Theoretisch könnten wir auch Apfeleis aus regionalem Anbau machen. Aber das wird auf dem Markt nicht nachgefragt. Und wir wollen ja was bewegen, dazu müssen wir einen Massenmarkt erreichen.“ Der Ansatz des Ehrenfelder Startups ist dieser: Jeder Mensch, der einen Becher Nomoo-Eis kauft, kauft ein Milchspeiseeis weniger und trägt zu einem nachhaltigeren Eismarkt bei. Göckel: „Auf lange Sicht ist es unser Ziel, den kompletten Eismarkt zu revolutionieren.“

Mit Eis aus dem Discounter will man sich nicht vergleichen lassen.

Die Halb-Liter-Packung kostet bei Nomoo 5,99 Euro. Der Discounter hält ähnliche Mengen zwar zum halben Preis vor. Damit aber will man das eigene Produkt nicht vergleichen. „Wir sind im Premiumsegment unterwegs, bieten eine sehr hohe Qualität an und schaffen es dabei noch, das Produkt stringent nachhaltig aufzustellen.“ Insgesamt investiere die Konkurrenz weit weniger in Nachhaltigkeit und Qualität, sagt die Geschäftsführerin. „Und wir können ja wettbewerbsfähig arbeiten. Daher glaube ich, dass die anderen Unternehmen sehr viel Geld verdienen müssen an ihren Produkten.“

Die Gründer Rebecca Göckel und Jan Grabow vor der Firmenzentrale, einer alten Tabakfabrik in Ehrenfeld
Die Gründer Rebecca Göckel und Jan Grabow vor der Firmenzentrale in einer alten Tabakfabrik in Ehrenfeld

Das Ehrenfelder Unternehmen ist auf Wachstumskurs. Lag der Umsatz 2018 bei 150.000 Euro, „werden wir in diesem Jahr die Million knacken“, schätzt Göckel; etwa 400.000 Becher würden wohl verkauft. Drei Gesellschafter sind im vergangenen Jahr eingestiegen. Die nordrhein-westfälischen Firmen Quest Solutions und Siltho Research sowie AM1 Ventures aus München haben als Business-Angels eine sechsstellige Summe investiert.

Die Firma weiß auch, wo ihre Grenzen sind.

Für das abgelaufene Jahr hat die Firma einen Corporate-Social-Responsibility-Report erstellt, um seine unternehmerische Gesellschaftsverantwortung zu dokumentieren. Neben all den Anstrengungen für eine sozial- und umweltverträgliche Produktion weiß die Firma auch, wo ihre Grenzen sind: „Da wir als kleines Unternehmen bislang nur in der Lage sind, kleinere Mengen der Rohstoffe abzunehmen und somit von Großhändlern abhängig sind, ist es für uns derzeit noch unmöglich, direkten Einfluss darauf zu nehmen, wie die Lage bei den jeweiligen Bauern vor Ort ist“, heißt es im CSR-Report. „Vielleicht wird das in zwei, drei Jahren anders sein und wir haben auf unseren eigenen Himbeer- und Mangoplantagen das Sagen“, hofft Rebecca Göckel.

Wir wollen uns erst einmal den deutschen Markt sichern.

Rebecca Göckel

Neben Supermärkten beliefert Nomoo etliche Gastronomien in ganz Deutschland – und elf in der Schweiz. Mit Österreich laufen erste Gespräche. Übereilt wird der Einstieg in andere Länder allerdings nicht. „Wir wollen uns erst einmal den deutschen Markt sichern“, sagt Göckel. Ein Unternehmen, dass so auf Nachhaltigkeit setzt, soll schließlich auch nachhaltig wachsen.

Sechs der sieben aktuellen Nomoo-Eissorten. Nicht im Bild: Ingwer-Zitrone
Sechs der sieben aktuellen Nomoo-Eissorten. Nicht im Bild: Ingwer-Zitrone

Hier gibt’s das Eis von Nomoo

Nomoo-Eis wird aktuell in den Sorten Mango, Himbeere, Cassis, Kakao, Ingwer-Zitrone, Kokos- und Erdnuss angeboten. In Köln vor allem in etlichen Rewe- und Edeka-Filialen, bei Bio-Supermärkten wie Alnatura und Denns. Der Becher kostet 5,99 Euro (500 ml) beziehungsweise 2,99 Euro (120 ml), bestellbar unter anderem über den Onlineshop. Mehr Infos zu Nomoo bei Facebook und Instagram. In diesem Youtube-Video präsentiert Göckel das Unternehmen in der Reihe „Top 40 unter 40 – Macher aus dem Rheinland“.

Pflanzenbasiertes Eis anderer Anbieter

Eine Reihe veganer Eissorten bieten Ben & Jerry’s, Rewe Beste Wahl, Breyers, von Carlotta Veganes Eis und Carte D’Or. Magnum hat das Magnum Vegan Classic. Milchfreies Eis gibt’s bei Valsoia.

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