Die ersten Köln-Sweater aus nachhaltiger Produktion gibt es ab sofort im Handel.

Der Rohstoff für die Köln-Sweater kam bei einer vielbeachteten Sammelaktion im Frühjahr zusammen. Den Sommer über wurden die alten Jeans zerrissen und zu neuem Garn gesponnen. Daraus und aus einem Anteil von frischen Fasern – ganz ohne geht es (noch) nicht – sind die neuartigen Shirts entstanden.

Die Auslieferung hat sich am Ende immer wieder verzögert. Nun stehen die ersten Sweatshirts zum Verkauf. Insgesamt wird es sie in drei Farben geben, mit der Kölner Skyline im Logo und zu einem subventionierten Preis von knapp 60 Euro. Vorläufig kann man sie nur in der Herrenvariante kaufen. Die Damenvariante (mit dem Logo auf dem Rücken) wird „in Kürze“ erwartet.

Neue Sammelstelle für Jeans in der Südstadt

Schon Ende September haben die Initiatoren den Köln-Sweater im Raum für Nachhaltigkeit (den wir hier vorstellen) im Rheinauhafen vorgestellt. Hier, im Erdgeschoss des nördlichen Kranhauses, befindet sich ab sofort eine neue Jeans-Sammelstelle. Zu den Öffnungszeiten, also sonntags von 13 bis 18 Uhr, kann man nun auch hier gebrauchte Jeans abgeben. Also Hosen, Jacken, Röcke und Taschen, die dann recycelt werden. Dazu müssen die Sachen zu mindestens 95 Prozent aus Baumwolle bestehen.

Zwischenstufen des Jeansrecyclings

Die Aktion „Rette mit uns 10.000 Jeans“, die das ökofaire Kölner Modegeschäft Kiss The Inuit im Februar gemeinsam mit dem niederländischen Modelabel Blue Loop Originals ausgerufen hatte, geht derweil weiter. „Wir kriegen noch immer Pakete mit alten Jeans und sehr viel positive Resonanz, und zwar aus ganz NRW“, sagt Initiatorin Katharina Partyka.

Die Leute sind froh, ihren alten Lieblingsjeans neues Leben einzuhauchen

André Weise

„Die Leute sind froh, dass sie ihren alten Lieblingsjeans neues Leben einhauchen können“, formuliert es André Weise von Blue Loop Originals. Und so werde jetzt bundesweit gesammelt: „Inzwischen an knapp 40 Stellen zwischen Flensburg und Landshut, und jede Woche kommen neue dazu. Bis Ende 2022 wollen wir in jeder deutschen Stadt mit mehr als 10.000 Einwohnern Jeans sammeln.“

Auch Shirts in Landshut, Kiel und Dortmund

Aus den gebrauchten Klamotten sollen immer neue Kollektionen von Sweatern entstehen. Die nächste pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in Landshut, danach in Kiel und Dortmund. „Wir haben einen tollen Stein ins Rollen gebracht, und der rollt jetzt weiter“, so Weise. Die Kölner Klamotte ist Versuchsballon und Aushängeschild zugleich. So erklärt sich auch die Subventionierung. Die knapp 60 Euro sind für ein Stück faire Mode vergleichsweise günstig.

Richard Krings von der Hehlerei mit dem neuen Sweater

Das Logo für diese Kollektion zeigt die Kölner Skyline mit Dom, Colonius und Severinsbrücke inmitten einer liegenden Acht. In der Mathematik ist das das Zeichen für Unendlichkeit, hier symbolisiert es den Kreislauf des Recyclings. Das Modelabor Hehlerei aus Ehrenfeld (über das wir auch schon berichtet haben) hat das Logo designt.

Zu kaufen sind die Köln-Sweater in Kurkuma-Gelb, Indigo-Blau und einem bräunlichen Erdfarbton. Das letztere Modell konnte bei der Präsentation noch nicht gezeigt werden. Denn das Ausstellungsstück war auf dem Postweg verloren gegangen.

Entwicklung als Abenteuer

Insgesamt sei die Entwicklung ein ziemliches Abenteuer gewesen, sagt Weise – „mit einigen weißen Flecken auf der Landkarte, auch bei der Produktion.“ Das und die spezielle Situation durch die Corona-Pandemie führten zu den Verzögerungen.

Vorerst sind die Köln-Sweater bei Kiss The Inuit im Agnesviertel (Schillingstraße 11) und in der Bonner Filiale (Friedrichstraße 58) zu kaufen. „Außerdem führen wir Gespräche mit Fairfitters im Belgischen Viertel und Wertstoff in Nippes“, so Partyka. „Aber die wollten natürlich nicht die Katze im Sack kaufen.“

Mode ist die zweitschmutzigste Industrie überhaupt

Katharina Partyka

Katharina Partyka erinnerte noch einmal daran, wie wichtig die Kreislaufwirtschaft gerade in der Textilproduktion ist. „Die konventionelle Mode ist – nach der Erdölindustrie – die zweitschmutzigste Industrie überhaupt. Schon 2015 wurden global 100 Milliarden Kleidungsstücke im Jahr produziert. Heute dürften das noch mehr sein. Gleichzeitig ziehen die Leute die Teile immer weniger oft an. So fallen 92 Millionen Tonnen Modemüll an.“

Noch sei der Anteil an ökofairer Mode auf dem weltweiten Markt zwar verschwindend gering. Dennoch gibt André Weise sich kämpferisch: „Die großen Umstürze haben immer bei den kleinen Leuten angefangen.“

Kommentar verfassen