Der Lockdown beeinträchtigt auch das laufende Ecohopping. Da ab Mittwoch viele Geschäfte schließen müssen, versuchen die Veranstalter, das Programm der letzten beiden Wochen in die Zeit nach dem Lockdown zu verschieben. Genauere Infos gibt es ab Mittwoch, 16. Dezember, auf der Homepage und bei Instagram @ecohoppingkoeln.

Köln wird zum begehbaren Adventskalender – so wie es jetzt aussieht, sogar bis ins neue Jahr hinein. Läden und Projekte, die umweltfreundliche und nachhaltige Alternativen zum klassischen Konsum bieten, verwandeln sich in Mini-Weihnachtsmärkte. Ecohopping in der X-Mas-Edition also, unter dem Motto „Zeit für gute Geschenke“.

Im Sommer war das Konzept erstmalig getestet worden. Damals beteiligten sich noch mehr Initiativen – insgesamt mehr als 90 in der ganzen Stadt. „Das war fast schon zu viel für einen Tag“, sagt Veranstalter Olivér Szabó vom ökologischen Event- und Projektmanagement Greencentive.

Kölner sollen in der eigenen Stadt verreisen

Deswegen zieht sich die Veranstaltung über viele Wochen – mit wechselnden lokalen Schwerpunkten. Dazu wird die Stadt geviertelt. In der ersten Adventswoche ging es nach Ehrenfeld und ins Belgische Viertel, nach Nippes und Agnesviertel. Danach sind Südstadt, Sülz und Klettenberg dran, als letztes die Innenstadt. „So wollen wir die Kölner auch dazu einladen, in ihrer eigenen Stadt zu verreisen. Das eigene Viertel zu verlassen und neue Angebote kennenzulernen“, so Szabó. Das Projekt wurde für den Urbanana-Award für krea­ti­ven und di­gi­ta­len Städ­te­tou­ris­mus in Nordrhein-Westfalen nominiert.

Das komplette Programm von „X-Mas Ecohopping“ lässt sich hier runterladen, es liegt in gedruckter Form bei den Veranstaltungsorten aus. Die „Ecohopper-App“ gibt es hier. „Die ist nicht nur während der Adventszeit interessant“, verspricht Olivér Szabó, „die bietet auch unabhängig davon einen Überblick über den Großteil des nachhaltigen Kölns.“

Die „Vierteilung“ des Programms ist aber nicht allzu streng zu verstehen. Alle Orte lohnen den Besuch auch außerhalb ihrer Schwerpunktwochen. Das Modelabor Hehlerei (Subbelrather Str. 138, mo-sa 13-19 Uhr) etwa hatte seine Ecohopping-Aktion verlängert.

Eigene Shirts mit Gewinnermotiven bedrucken lassen

Auch noch in der zweiten Adventswoche konnte man mitgebrachte Klamotten gegen eine Spende mit speziellen Motiven bedrucken lassen. Drei Gewinnermotive, die bei einem vorangegangenen Wettbewerb ausgewählt worden waren. Zwei von einer Jury, eins per Publikumsvoting. Gerade letzteres ist ein ziemlicher Augenfänger: ein Haifisch, der sich aus der Plastikflasche quetscht, Titel: Message in a Bottle.

„Gerade über Instagram waren sehr viele Anfragen von Leuten gekommen, die es nicht mehr geschafft haben vorbeizukommen“, erklärt Manu Krings von der Hehlerei (über die wir auch schon berichtet haben). „Da haben wir das Angebot ausgeweitet.“ Er empfahl, helle Textilien mitzubringen, da die dunklen Druckfarben darauf am besten wirken. Wer kein passendes Teil vorrätig hatte, konnte sich für acht Euro ein gut erhaltenes Secondhand-Shirt aus dem Fundus aussuchen. Der gesamte Erlös geht an den gemeinnützigen Verein Space Eye aus Regensburg, der Nothilfe für Menschen auf der Flucht leistet.

Alternativen zum linearen Shopping

„Es macht einfach Spaß, im Netzwerk zu arbeiten und es weiter ausbauen“, erklärt er, warum das Modelabor sich auch am winterlichen Ecohopping beteiligt. „Wir haben ja alle das gleiche Ziel: Alternativen zum klassischen, linearen Shopping anzubieten.“ Dinge also nicht nur wenige Male benutzen, wegwerfen und möglichst schnell das Nächste neu anschaffen. Sondern: möglichst oft wiederverwenden, umnutzen, reparieren, tauschen, gebraucht kaufen.

Die Einfahrt unter diesem Schild führt zur Minhafaktur im Hinterhaus der Neusser Straße 8.

Das alles sind Ziele, die auch die Betreiber der Minhafaktur unterstützen, ein kollektiv geführter Laden im Agnesviertel (Neusser Str. 8, do+fr 11-19 Uhr, sa 10-18 Uhr). Auch wenn nur ein unspektakuläres Schild auf das Lokal im Hinterhaus verweist, lohnt sich ein Besuch.

Taschentücher in der Covid-19-Edition

Hier gibt es wieder aufgearbeitete Möbel und Fahrräder, Schmuck und Kleidung, Armbanduhren und Pflanzen – inklusive Ablegerbörse („Bring einen Ableger von zu Hause und nimm dir einen mit“). Biologisch abbaubare Skulpturen aus dem 3-D-Drucker, lösemittelfreies Hartöl, Honig aus Nippes. Bemalte Skateboards für an die Wand, Stofftaschentücher-Unikate und Aufnäher auch in der Covid-19-Edition. Formschöne Wendekappen und Hüfttaschen. Und Schwerter zu Pflugscharen, ach nein, Parkverbotsschilder, die zu Tabletts umgenutzt wurden.

Gestartet war die Ecohoppingwoche hier mit einer Sammelaktion für die Kölner Tafel. Am Freitag gab es eine große Ausstellung aller Künstlerinnen und Künstler. Am Samstag stand ein Konzerte auf dem Programm, Glühweinausschank und ein Alles-muss-raus-Verkauf. Ein Vortrag am Donnerstag erklärte, was das Besondere an der Minhafaktur ist. Sein Titel: Kollektives Arbeiten – lebensdienlich Wirtschaften.

Ladenlokal als innerstädtisches Schaufenster

Das Ladenlokal ist nämlich das innerstädtische Schaufenster (vergleichbar mit dem Raum für Nachhaltigkeit im Rheinauhafen, den wir hier vorstellen) für ein Künstlerkollektiv, das zum Großteil in einer Halle in Hürth-Kalscheuren tätig ist. Hier, in einer 600 Quadratmeter großen Halle mit 200-Quadratmeter-Anbau, arbeiten 25 bis 30 Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen unter einem Dach zusammen und im steten Austausch.

Mark, Nico und Tristan von der Minhafaktur, hinten Margret von Mooii, vorne deren Hund Hoppi

„Angefangen haben wir dort mit der ‚Möbelkiste‘, in der wir alte Möbel vor dem Sperrmüll retten, indem wir sie aufbereiten und weiterverkaufen. Das machen wir auch immer noch“, erzählt Mark. Zusammen mit Kompagnon Phil hat er das Lokal im Agnesviertel vor gut einem Jahr gemietet. „Dann ist das über die Jahre gewachsen – und wächst immer noch weiter, ganz organisch.“ Wer hier ausstellt und verkauft, zahlt eine gewisse Summe in einen Topf ein, aus dem die Miete bezahlt wird.

Ein Ort für neue Ideen

Finanzielle Interessen stehen insgesamt nicht im Vordergrund. „Die ganze Geschichte basiert auf einem Menschenbild, das dem des Neoliberalismus komplett entgegensteht“, erläutert Tristan, der auch zum Kollektiv gehört. „Wir gehen nicht davon aus, dass jede und jeder sich nur selbst bereichern will. Sondern davon, dass Menschen Bock haben, in der Gemeinschaft zu arbeiten.“ Man lotet aus, wie man als Gruppe wirtschaften kann. Es ist ein Ort für neue Ideen, es wird viel experimentiert, viel ausprobiert, viel kooperiert.

Zusammengearbeitet wird auch mit Mooii, einem Laden für Secondhandmode in Nippes (Wilhelmstr. 54, di-fr 12-19h, sa 10-16 Uhr). Die Betreiberinnen wollten ursprünglich ein zweites Geschäft in der Innenstadt eröffnen; jetzt sind sie „Untermieter“ in der Minhafaktur geworden: nutzen das Lokal mit, beteiligen sich an der Miete und sorgen mit ihrem Personal dafür, dass der Laden nicht mehr nur am Samstag geöffnet wird, sondern auch freitags und samstags.

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