Kinder, Job, Haushalt: Friederike Zoubaa (*1989) gehört zur aktuellen Generation junger Frauen, die mehrere Lebensentwürfe gleichzeitig unter einen Hut bekommen. Und all das bitteschön: nachhaltig! Tipps und Tricks, wie das praktisch funktioniert, gibt sie demnächst regelmäßig in diesem Blog – und jetzt schon in diesem Interview.

Du bist …?

FRIEDERIKE ZOUBAA: … eine Kölnerin, die jeden Tag versucht, ihr Handeln zu hinterfragen und anzupassen. Ich bin kein Mensch, der vegan leben kann, aber ich koche und esse viel vegan und vegetarisch. Es ist ganz normal, dass man nicht immer jedes Ideal erfüllen kann.

Du hast …

FRIEDERIKE ZOUBAA: … ein Buch über flexitarische Küche geschrieben. Allzu viele Menschen denken nur kurzfristig und sehen nicht die Folgen ihres Tuns, weder im positiven noch im negativen Sinne. Ich möchte zeigen, wie einfach es manchmal ist, einen positiven Beitrag zu leisten. Man muss dafür nicht immer gleich sein Leben auf den Kopf stellen. Nur weil ich bei einer Sache nicht so ganz korrekt bin, heißt das nicht, dass ich an anderer Stelle nicht was richtig machen kann.

Flexitarisch beschreibt eine alternative, recht pragmatische Esskultur: Fleischgenuss ist dabei prinzipiell in Ordnung, sofern er eher die Ausnahme ist und Qualität und Herkunft des Produkt stimmen.

Das Leben ist ein Kompromiss. Gutes Beispiel dafür: Dein Buch ist bei Amazon erschienen …

FRIEDERIKE ZOUBAA: Dafür spricht: volle Kontrolle für die Autoren; schneller On-Demand-Druck und schnelle Verfügbarkeit; bessere Bezahlung als irgendwo anders. Und eine große Reichweite, die bekommt man leider nirgendwo sonst in vergleichbarem Maße. An den Tagen, an denen ich das Buch kostenlos angeboten habe, haben sich das Buch rund 400 Leute runtergeladen. Auch wenn es oft nur kleine Beiträge sind, die wir leisten – je mehr Menschen mitmachen und dies erkennen, desto größer ist am Ende der Nutzen für die Umwelt. Bestimmt gibt es den supergrünen Verlag für mein Thema, aber wen erreiche ich da? Für mich als Einsteigerin auf dem Buchmarkt ist Amazon leider geil, aber es ist womöglich auch ein Pakt mit dem Teufel.

Etwas, das den Geschmack von toten Tieren imitiert, ist doch viel ekliger als richtiges Fleisch.

Friederike Zoubaa

Wen und was möchtest du denn als Autorin erreichen?

FRIEDERIKE ZOUBAA: Ich möchte möglichst viele Leute zum Umdenken bewegen. Wie oft hab ich schon gehört: „Essen ohne Fleisch ist doch kein richtiges Essen!“ In meinen Rezepten gibt es keine Fleischersatzprodukte. Ich will die Leute von dem Gedanken wegholen, dass ohne Fleisch was fehlt. Und außerdem empfinde ich etwas, das den Geschmack von toten Tieren imitiert, als viel ekliger als richtiges Fleisch. Und wenn schon Fleisch, dann richtig gutes. Das ist zwar teurer als die billige Supermarktware, aber das schmeckt dann auch viel besser.

Was hat dich auf die Idee zu deinem Buch gebracht?

FRIEDERIKE ZOUBAA: Die Idee ist so langsam in mir herangereift. Mein Vater zum Beispiel hat mich stark geprägt. Der hat kein Auto, kauft kaum was neu, heizt nur, wenn Besuch kommt. Er ist mein großes Vorbild, aber er verzichtet auch nicht auf alles. Er isst zum Beispiel gerne Salat mit Thunfisch – aber nur, wenn der aus Angelrutenfischerei stammt. Das Rezept dazu ist auch in meinem Buch.

Du hast auch schon ein Kinderbuch geschrieben. Brauchen wir vielleicht eine grundlegend neue Erzählung, um als Menschheit noch die Kurve zu kriegen?

FRIEDERIKE ZOUBAA: Ich finde es schwierig, dazu etwas Kluges zu sagen. Ich frage mich oft, in was für einer Welt meine Kinder in 50 Jahren leben werden und ob sie dann selbst Kinder haben können. Ein Buch, das mich zu diesem Thema sehr beschäftigt hat, ist „Die Geschichte des Wassers“ von Maja Lunde: ein erschreckend realistisches Szenario über den Kampf um Wasser. Aber ich habe schon noch Hoffnung in die Menschheit. Sonst würde ich keine Kinder in die Welt setzen.


„Flexitarisches Kochbuch – lecker und klimafreundlich: 68 Rezepte für Teilzeit-VegetarierInnen“ von Friederike Zoubaa ist bei Amazon erschienen. Und bevor jemand fragt: Nein, dies ist KEIN Affiliate-Link!

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