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Eine Runde Bohrhammer für alle!

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    Trink-Genosse Köln fff fff.cologne
    Foto: Silviu Guiman

    Bar jeder Vernunft oder zur Nachahmung empfohlen? Das Kölner Bar-Projekt „Trink-Genosse“ verteilt das unternehmerische Risiko auf viele Schultern. Und erprobt so ein Geschäftsmodell, mit dem sich künftige Krisen womöglich besser meistern lassen als in klassischen Wirtschaftsbetrieben.

    Ich habe eine Verabredung: mit Louisa Manz in der neu gegründeten Kölner Bar „Trink-Genosse“. Geht nicht in Corona-Zeiten? Geht doch! Die Trink-Genoss*innen haben nämlich nicht nur mit der Gründung einer Genossenschaft im Juli 2019 Neuland betreten, sondern auch mit der Eröffnung ihrer virtuellen Bar Mitte März 2020, die dem realen Vorbild in Köln-Ehrenfeld entspricht: mit Hauptraum, Küche, Theke, Dancefloor, Hinterzimmer und sogar Kloschlange und Raucherecke. In der sitze ich jetzt mit Louisa, jede von uns allein vor einer Webcam und doch gemeinsam. Eintritt frei!

    Administrative Widerstände

    Der Traum einer Bar, in der Gemeinschaft vor Profit steht und jede*r seine Ideen einbringen kann, entstand 2016 in einer Kölner Studenten-WG. Die Ur-Trink-Genossen Jan Buckenmayer und Kai Berthold stießen bei der Umsetzung jedoch bald auf administrative Widerstände. Das Konzept einer Bar in Form einer Genossenschaft war ungewöhnlich, und deswegen existierten keine etablierten Strukturen für eine Neugründung.

    Im Herbst 2018 gab es den zweiten Anlauf, begleitet von einer Crowdfunding-Kampagne. Rund 150 Leute spendeten 56.000 Euro. Im Juli 2019 folgte die Ausgründung der Genossenschaft: die Menschen aus der Crowd wurden offiziell zu Genoss*innen und damit automatisch zu Eigentümer*innen des „Trink-Genosse“.

    Virtuelle Bar Trink-Genosse Köln fff fff.cologne
    Die virtuelle Bar.

    Noch fehlte ein geeigneter Ort. Es folgten Erkundungstouren durch die Stadt, um Ausschau nach geeigneten Räumlichkeiten zu halten. „In einem Anfall von abenteuerlichem Wahnsinn haben wir das Lokal an der Subbelrather Straße 254 übernommen“, erzählt Louisa. „Wir hatten großes Glück mit dem Vermieter. Der mochte unser Konzept, auch ohne Erfolgsgarantie.“

    Lousia Mantz Trink-Genosse Köln fff fff.cologne
    Trink-Genossin Louisa Mantz. Foto: Silviu Guiman

    Warum ausgerechnet eine Genossenschaft? Ist das nicht staubig, spießig und konservativ? Vorstandsfrau Louisa, Mitglied seit 2018, erklärt es so: „Fast jede Genossin und jeder Genosse hat schon mal davon geträumt, eine Bar oder ein Café zu eröffnen. Bei Trink-Genosse schmeißen alle ihren Traum in einen Topf und machen gemeinsam das, was einer allein nicht schafft.“

    Risiko gemeinsam tragen

    Für April 2020 war die Eröffnung geplant, aber Corona hatte was dagegen. Stress erzeugt das kaum, nicht nur weil der Vermieter freundlicherweise vorübergehend die Miete gesenkt hat. Eine Genossenschaft verteilt das unternehmerische Risiko auf viele Schultern. Jede*r Genoss*in hält einen oder mehrere Anteile im Wert von je 250 Euro. „Gemeinsam tragen wir auch das Risiko“, sagt Louisa. Niemand hat mit der Bar-Gründung seine Existenz aufs Spiel gesetzt, und so kann Corona den Trink-Genoss*innen im Vergleich zur klassischen Gastronomie wenig anhaben: „Sollte wir es nicht schaffen, habe ich 250 Euro verloren, aber dafür die krasseste Fortbildung meines Lebens bekommen.“

    Louisa war im vergangenen Jahr in Vollzeit, aber ehrenamtlich Projektkoordinatorin der Trink-Genossen. Jetzt ist sie wieder in ihren eigentlichen Job und gibt anderen die Gelegenheit sich auszuprobieren.

    Solidarisch, kreativ, nachhaltig

    Die Genoss*innen geht es um mehr als gemeinsam Spaß zu haben. Sie wollen zeigen, dass solidarisches, kreatives und nachhaltiges Wirtschaften auf lokaler Ebene möglich ist – auch im herrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystem. Der Profit ist kein Selbstzweck, sondern bildet die notwendige betriebswirtschaftliche Grundlage für ein demokratisches und vielfältiges Miteinander, für faire Gehälter und die zuverlässige Deckung der Betriebskosten.

    Die Trink-Genoss*innen wollen einen Präzedenzfall schaffen. Wie beantragt man mit über 100 Eigentümern und drei jährlich wechselnden Menschen im Vorstand eine gewerbliche Konzession, die üblicherweise an Personen gebunden ist und daher mit jedem neuen Vorstand theoretisch neu beantragt werden müsste? Wie eröffnet man mit einem unerprobten Geschäftsmodell ein Konto? Gemeinsam haben sich die Trink-Genoss*innen durch solche administrativen Fragen hindurchgearbeitet. Um Gründer*innen künftiger Genossenschaften den Start zu erleichtern, hat Louisa den Prozess im Blog von Trink-Genosse dokumentiert.

    Mitmachen und mitbestimmen

    Wer die Grundprinzipien der Genossenschaft teilt, darf die Angebote nutzen und selbst welche machen. Stimmberechtigt sind allerdings nur Anteilseigner; so ist es gesetzlich festgeschrieben. Statt eines Manifests gilt ein „Manifluid“. Louisa: „Wir befinden uns in einem nicht endenden Lernprozess, in dem Konflikte ein Ausdruck unseres demokratischen Vorgehens sind. Aus Konflikten sind bisher die besten Ideen entstanden.“ 

    Bisher hat das Netzwerk mit seinen vielfältigen Fähigkeiten alle Herausforderung gemeistert. Und was man nicht kann, lernt man eben. „Menschen dürfen hier die ganze Zeit Sachen machen, zu denen sie sonst nie Gelegenheit hatten“, erzählt Louisa. Wie jüngst bei der Entkernung der Barräume, als der gesamte Sanitärbereich renoviert wurde: „Da wollten alle mal an den Bohrhammer!“ Und natürlich durften auch alle mal – ganz genossenschaftlich.

    Ur-Trink-Genossen Jan Buckenmayer und Kai Berthold. Foto: Silviu Guiman

    In Coronazeiten laden die Genoss*innen täglich zwischen 19 und 21 Uhr zum Keipen- und Spieleabend ein. Einmal wöchentlich ist Plenum, das allen Interessierten offen steht. Eine Tabelle gibt Übersicht über geplante Aktivitäten und Thekenschichten. Wer die Genoss*innen in der aktuellen Durststrecke unterstützen will, kann dies über digitalen Getränkekauf in der virtuellen Bar tun.

    Trink-Genosse Köln fff fff.cologne
    Trink-Genossinnen in der virtuellen Bar. Foto: Keppel

    Zur Website von Trink-Genosse

    Vom Fenster aus für eine bessere Welt

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      Fashion Revolution Week, Earth Day und Globaler Klimastreik: Bis Sonntag, 26. April 2020, erleben wir eine Woche der Online-Proteste.

      Zu Hause bleiben und trotzdem (klima-)politisch aktiv sein? Gar nicht so einfach. In der aktuellen Woche vom 20. bis 26. April 2020 aber gibt es gleich mehrere Möglichkeiten dazu: die Fashion Revolution, der Earth Day und der Globale Klimastreik. Positiv ausgedrückt: Es war nie leichter zu demonstrieren. Du musst dazu nicht einmal die Couch verlassen – es geht sogar im Schlafanzug. Der Nachteil allerdings: Damit fällt auch die letzte Ausrede flach, nicht dabei zu sein.

      20. bis 26. April: Fashion Revolution Week

      Online-Klimaaktionen in Köln: Fashion Revolution Week
      Kampagnenslogans wie dieser finden sich zum kostenlosen Download auf www.fashionrevolution.org

      An jedem Tag der Woche sollen Zeichen gesetzt werden gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung in der Modeindustrie. Das Datum hat einen tragischen Hintergrund: Es erinnert an den 24. April 2013, als in Bangladesch ein Gebäudekomplex mit mehreren Textilfabriken einstürzte und 1138 Menschen zu Tode kamen.

      Zum Dresscode gehört es, mindestens ein Kleidungsstück auf links anzuziehen und mit einem Hinweis auf die Fashion Revolution Week zu versehen. Das geht auch auf dem Weg zum Supermarkt oder zur Arbeit, beim Joggen oder Spaziergehen.

      Damit Nicht-Eingeweihte die Aktion erkennen, lässt sich das Outfit um ein selbst gemaltes oder gesticktes Demoschild ergänzen; oder um einen Aufnäher: Der ökofaire Modeladen Kiss The Inuit – der übrigens bis Ende April 2020 Jeans sammelt, um daraus Köln-Sweater zu fertigen – will dazu am Freitag, 24. April, ab 15 Uhr eine Anleitung ins Netz stellen.

      Online-Klimaaktionen in Köln: Fashion Revolution Week
      Näherin in einer Textilfabrik in Dhaka, Bangladesch. Foto: Gisela Burckhardt/Femnet e. V.

      Kampagnen-Slogans – auch für die Sozialen Medien – kannst du hier hier kostenlos herunterladen. Ein Bild oder eine Story von dir postest du dann bei Instagram und Facebook mit den Hashtags#FashRevCologne, #FashionRevolution, #WhoMadeMyClothes.

      Am Wochenende wird getanzt: Von Freitag bis Sonntag, 24. bis 26. April, jeweils um 16 Uhr, soll jede und jeder mitmachen. Am offenen Fenster, auf dem Balkon oder unterwegs, zu einem Lied eigener Wahl. Unsere Vorschläge: „Fashion“ von David Bowie oder „Tanz die soziale Distanz“ von Theodor Shitstorm.

      Wichtig auch hier: versammeln verboten! Aber dafür umso mehr Bilder und Videos in die Sozialen Medien stellen: #DanceForSlowFashion.

      21./22. April: Earth Day

      Online-Klimaaktionen: Earth Day
      Parachutes For The Planet bei einer FFF-Demo in Aachen 2019. Foto: Sandra Prüfer

      Auch der Earth Day fällt in diese Woche. Der Tag der Erde wird weltweit am 22. April 2020 begangen und soll die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken – in diesem Jahr bereits zum 50. Mal. Die Bonner Umwelt-Networking-Gruppe Green Drinks feiert diesen Special Earth Day schon einen Tag früher, und zwar am Dienstag, 21. April, um 19 Uhr. Mit einem virtuellen Zoom-Meeting mit Vorträgen, Poetry Slam und Live-Musik, an dem alle Interessierten von ihren Rechnern oder Smartphones aus teilnehmen können.

      Als Special Guest der digitalen #EarthRise-Party wird Barton Rubenstein dabei sein. Der Künstler, Wissenschaftler und Umweltaktivist hat 2015 die Non-Profit-Organisation Mother Earth Project mitgegründet. Er berichtet von der bevorstehenden Installation einer von ihm gestifteten Mother Earth Sculpture – der ersten in Europa – an der Bonner Rheinufer-Promenade und der Idee dahinter.

      Online-Klimaaktionen: Earth Day
      Visualisierung der Mother Earth Sculpture am Bonner Bogen. Foto: Jörg Haas/Barton Rubenstein

      Es gibt eine Online-Präsentation des Kunstprojekts Parachutes for the Planet, bei dem es darum geht, Spiel-Fallschirme bunt zu bemalen – als eine Metapher zur Rettung der Erde. Bislang haben sich daran Schulen und Umweltgruppen in 73 Ländern auf sechs Kontinenten beteiligt, darunter 20 aus Bonn. Die wurden im vergangenen Jahr bei Fridays-for-Future-Demos durch Bonn und Aachen getragen.

      Zudem stellt Filmemacherin Johanna Jaurich (fechnerMedia) ihr Filmprojekt „Fridays – It’s our Future“ vor. Die Doku, die per Crowdfunding finanziert wird, berichtet von der Entwicklung der FFF-Bewegung. Sieben Jugendliche, die in besonderem Maße von den Problemen der heutigen Zeit betroffen sind, geben Einblicke in ihren Alltag in Europa, Asien, Ozeanien, Afrika, Nord- und Südamerika.

      Klimaaktionen: Doku mit Luisa Neubauer
      Szene aus der Doku „Fridays – It’s our Future“ mit Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Foto: fechnerMedia

      Üblicherweise finden die offenen Vereinstreffen an jedem zweiten Dienstag im Monat an wechselnden Orten im Bonner Stadtgebiet statt. Hier gibt’s mehr Infos. Das Online-Meeting ist für Teilnehmer kostenfrei. Nach der Registrierung über Eventbrite erhält man ein Passwort für den Zoom-Zugang. Wer neu bei Zoom ist, kann schon um 18.45 Uhr beitreten und erhält eine kurze technische Einführung.

      24. April: Globaler Klimastreik

      Der Höhepunkt der Woche ist der Globale Klimastreik am Freitag. „Jetzt entscheidet sich, wie die Welt nach Corona aussehen wird: klimafreundlich oder voller dicker Autos“, heißt es dazu bei Fridays for Future. Geplant ist die größte Online-Demo aller Zeiten – mit Netz- und Fensterstreik sowie mehreren Live-Streams.

      Zum Fensterstreik gehört übrigens doch, dass Aktivisten auf die Straßen gehen, allerdings ohne dabei gegen die Corona-Regeln zu verstoßen: Zu zweit werden zusammenlebende Menschen auf Lastenrädern durch Köln fahren und Stimmung machen.

      Wer wenigstens ein eigenes Demoschild dabei sein lassen will, kann das machen. Die Schilder werden am Freitag am Alter Markt ausgestellt und danach für eine Kunstaktion verwendet. Es gibt mehrere Sammelstellen, die die Schilder bis Mittwoch, 12 Uhr, annehmen. Bisher gehören dazu:

      Online-Klimaaktionen in Köln: Globaler Klimastreik
      Zum Streiken ans Fenster: Für ein anderes System. Foto: Zero Waste Köln

      Alle anderen können die Demo von ihren Fenstern aus lautstark unterstützen. Oder ins Internet gehen. Um 12 Uhr beginnt die Online-Demo von Fridays for Future auf deren Youtube-Kanal – mit Livemusik und Reden von Aktivistinnen und Aktivisten wie Greta Thunberg.

      Auch Fridays for Future Köln bietet auf seinem Youtube-Channel ein zweistündiges Live-Programm mit Infos und Unterhaltung. Los geht’s um 14 Uhr. Den ganzen Tag über läuft der Netzstreik.

      Unter den Hashtags #netzstreikfürsklima, #climatestrikeonline und #UniteBehindTheScience2404 sollen alle Bilder von ihren Demoschildern, Bannern und sonstigen Aktionen posten, um zu zeigen, dass sie auch in Zeiten von Corona gegen den Klimawandel kämpfen. Jetzt erst Recht!

      Die Essensretter von Kölle

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        The Good Food fff.cologne FFF Köln
        Nicole Klaski hat ein Herz für krumme Gewächse. Foto: Veith

        Prall gefüllt sind die Regale von The Good Food – mit allerlei leckeren Lebensmitteln, die sonst weggeworfen würden. Die Kölner Initiative kommt so gut an, dass sie jetzt expandiert.

        Vor dem Ladenlokal in der Kölner Sülzburgstraße 164 wächst die Schlange. Kunden warten in einigem Abstand zueinander, bis sie – in keimfreien Dreiergruppen – endlich von einer jungen Frau mit Mundschutz in den Kiosk gewunken werden. Dieser Tage ein gewohntes Bild.

        Doch an den Covid-19 bedingten Einlass-Beschränkungen allein liegt die Rudelbildung nicht. Heute gibt es Erdbeeren! Erdbeeren, die eigentlich auf dem Müll gelandet wären. Wären da nicht Nicole Klaski und ihre Mitstreiter von The Good Food – DEM Reste-Supermarkt aus Köln Ehrenfeld, der seine erste Zweigstelle im hinteren Teil des Büdchen Casablanca in Sülz eröffnet hat. Seitdem gehen auch im Kölner Süden die abgelaufenen Köstlichkeiten und das krumme Jemös genauso gut weg wie die Semmeln vom Vortag.   

        The Good Food fff.cologne FFF Köln
        Die neue Zweigstelle von The Good Food im Büdchen Casablanca. Foto: Ketelsen

        Das Konzept von Gründerin Klaski und ihrem stetig wachsenden Team aus überwiegend ehrenamtlichen Helfern ist so simpel wie schlüssig: The Good Food rettet Lebensmittel, die sonst im großen Stil im Abfall gelandet wären, und verkauft sie zum „Zahl, was es dir wert ist“-Preis weiter. Das klingt nach Batik und Barfuß, ist aber anders: Die Regale sind prall gefüllt – nicht nur mit Lauch und Chiasamen, sondern auch mit Popcorn und Craftbier.

        „Mindestens haltbar“ heißt nicht „Tödlich ab“

        Momentan steht eine ganze Charge Schulmilch im Kühlschrank, die wegen der Corona-Maßnahmen keinen Abnehmer gefunden hat und kurz vorm Ablaufen ist. „Dabei bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum ja aber mindestens haltbar und nicht tödlich ab„, erklärt Klaski mit einem Augenzwinkern.

        The Good Food fff.cologne FFF Köln
        Alles frisch Gerettete kostet, soviel es dem Käufer wert ist. Foto: Veith

        Ein längerer Aufenthalt in Nepal macht der studierten Juristin die geballte Perversion unseres westlichen Umgangs mit Nahrung bewusst. Rund 12 Millionen Tonnen größtenteils genießbare Lebensmittel wandern jährlich in Deutschland in den Müll – 75 Kilo pro Kopf. Mit den Nahrungsmitteln, die allein in Europa und Nordamerika weggeschmissen werden, könnte man alle Hungernden dieser Welt dreimal statt bekommen. Alle! Dreimal!

        Essen wegschmeißen macht Essen teurer

        Wer jetzt poltert, man könne ja aber wohl schlecht die Reste vom Mittagessen nach Mali schicken – aufgepasst: Die Nachfrage regelt das Angebot. Immer über alles, zu jeder Zeit und im Übermaß verfügen zu wollen, feuert den Markt an. Essen wegschmeißen verschwendet Ressourcen, führt in der Folge zu ihrer Verknappung und damit zu einem Preisanstieg. Am Ende hat der arme Teil der Weltbevölkerung das Nachsehen und wir dicken Europäer hätten in der Tat sehr wohl was daran ändern können.

        „Das hat mich total genervt!“ Nicole Klaskis Erkenntnis bringt sie 2013 zunächst zu foodsharing, einer Initiative, die unter anderem in ganz Deutschland die sogenannten Fair-Teiler betreibt und so viele verschmähte Lebensmittel doch noch ihrer Bestimmung zuführt – nämlich gegessen zu werden.

        Ich will auch Dinge retten, die erst gar nicht in den Supermarkt kommen.

        Nicole Klaski

        „Das ist toll, setzt allerdings am Ende der Wertschöpfungskette an. Ich wollte auch die Dinge retten, die erst gar nicht in den Supermarkt kommen und für die man dann vielleicht auch ein bisschen mehr Logistik aufwenden muss.“ Sprich: Geld. Mit einer Gleichgesinnten bewirbt sich Klaski 2015 deshalb um ein Stipentium von Social Impact. Mit Erfolg. Und ab hier nimmt alles seinen Lauf.

        Zweibeinige Möhren und knubbelige Kartoffeln

        Die beiden gehen selbst aufs Feld eines befreundeten Bauern und ernten, was ansonsten zurück bleiben würde. Denn Produktion, Handel und nicht zuletzt wir, die verzogene Kundschaft, lassen Obst und Gemüse mit allzu charakteristischen Abweichungen liegen: zu krumm, zu fleckig, zu wenig in der Norm ist „Bäh!“.

        „Das finde ich super schade.“ Genau wie die ersten Kunden, die Klaski von ihrem ersten selbstgezimmerten Marktstand aus mit den zweibeinigen Möhren und knubbelige Kartoffeln versorgt. Unter ihnen sind mit der Zeit auch immer mehr Leute, die selbst mit anpacken wollen – wie ein Hausbesitzerpaar aus Ehrenfeld, das The Good Food sein erstes Ladenlokal in der Venloer Straße 414 zur Miete anbietet. Der Startschuss zum ersten offiziellen Reste-Supermarkt Deutschlands.

        Wachsen, aber natürlich!

        The Good Food fff.cologne FFF Köln
        Auch in Sülz ist alles abgelaufen, aber nicht tödlich. Foto: Ketelsen

        Seitdem hat Nicole Klaski an die 80 Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewonnen und mit ihnen zusammen viel erreicht. Der Laden finanziert sich selbst, ein größeres Lager konnte angemietet werden und seit kurzem gibt es sogar ein nagelneues Lastenrad für den CO2-neutralen Transport. Außerdem kann sich Klaski nach fünf Jahren selbst ein Gehalt für ihren Vollzeitjob auszahlen und – darüber ist die 37-jährige besonders froh – auch noch drei weiteren Teilzeitkräften eine Stelle schaffen. „Das bringt uns Kapazitäten für ein paar Experimente“, freut sich Klaski. Die Dependance im Büdchen Casablanca zum Beispiel. Und die läuft super an.

        Nur nicht zu viel auf einmal – Klaski setzt auf schrittweise Entwicklung. Zeitweise hat The Good Food auch Caterings und Kochkurse angeboten. „Aber das hat mehr Stress verursacht als Nutzen gebracht. Das hat einfach noch nicht in unsere Struktur gepasst.“ Also haben Klaski und ihr Team erst einmal wieder einen Gang runter geschaltet und schauen lieber, was sich aus ihren Möglichkeiten selbst ergibt. Und darum geht es ja: organisches Wachstum – ob im Unternehmen oder bei den zweibeinigen Möhren.

        In ihrem YouTube-Channel geben The Good Food Kochtipps: Folge 1 mit Ute Symanski von Aufbruch Fahrrad.

        Zur Website von The Good Food

        Dank an Nachhaltige Fotografie Simon Veith

        Foodsharing de luxe

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          Die iPhone- und Android-App „To Good To Go“ rettet hochwertige Lebensmittel vor dem Abfalleimer und spart so tonnenweise CO2.

          Allein schon die Namen! „Cannoli siciliani“, „Cornetti“, „Bomboloni“, „Genovesi“, „Cartoccio“ … All diese italienischen, speziell sizilianischen Leckereien wären in der Mülltonne gelandet und nicht in meinem Magen. Stattdessen packt mir Angelo Tardino, der Chef der Caffetteria il Vico, das wohlschmeckende Gebäck in meine mitgebrachten Plastikboxen – für nicht mal den halben Preis. Und ohne „Too Good To Go“ hätte ich das kleine Café in Nippes – liegt es auch nur wenige hundert Meter von meinem Zuhause entfernt – vielleicht nie betreten.

          Die App bietet Zugang zu einer Art Luxusvariante von Lebensmittelrettung. Während Foodsharing üblicherweise komplett ehrenamtlich funktioniert und den Nutzer gar nichts kostet, bietet Too Good To Go einen Kompromiss: mehr Verbindlichkeit und Neuentdeckungen für kleines Geld.

          Genuss vor Ladenschluss

          Die App vermittelt zwischen Restaurants, Imbissen, Cafés, Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien, Tankstellen und Hotels auf der einen und Kunden auf der anderen Seite. Die Betriebe schätzen ab, wie viele Portionen aus ihren Auslagen und von ihren Büfetts übrig bleiben werden. Über die App können registrierte Nutzer diese Überbleibsel reservieren, per Paypal oder mit Kreditkarte bezahlen und zu einer festgelegten Zeit abholen, meist kurz vor Ladenschluss. Too Good To Go finanziert sich über eine kleine Provision, die bei jeder verkauften Portion anfällt.

          fff To Good To Go
          Da lacht die Lunchbox. Foto: Züger
          fff To Good To Go Köln

          Ganz genau weiß man vorher nicht, was einem die Mitarbeiter vor Ort in die mitgebrachten Dosen oder in die vorbereiteten „Wundertüten“ packen. Aber die App bietet eine „Das sagen andere User“-Bewertung der Anbieter. Nutzer vergeben bis zu fünf Sterne, benoten Service, Qualität und Portionsgrößen.

          Kategorisch sortiert

          Außerdem gibt’s die Kategorie „Inhaltsstoffe & Allergene“, die allerdings oft nicht aussagekräftig ist. Meist steht dort nur der freundliche Hinweis, man möge bei Bedenken direkt im Laden nachfragen.

          Apropos Kategorien: Die Angebote sind in Gruppen sortiert. Ganz oben stehen „Empfehlungen für dich“, ganz unten „Deine Favoriten“, die der Nutzer selbst festlegen kann. Weiterhin sieht man Angebote für Mittag- und Abendessen sowie „Das könntest du mögen“-Empfehlungen. Backwaren, Lebensmittel und Vegetarisches werden einzeln aufgelistet, Speisen zum sofortigen Verzehr oder mit der Abholzeit am nächsten Tag. Und auch solche, die man „gerade verpasst“ hat – fürs nächste Mal.

          Die Homepage, über die die App heruntergeladen werden kann, listet auf, was die Lebensmittelrettung zum Mitnehmen bislang gebracht hat. Aktuell sind es gut 35 Millionen gerettete Mahlzeiten. Das entspricht 88.000 Tonnen Kohlendioxid. Essen fürs Klima – wenn’s doch immer so einfach wär‘!


          Zur Website von To Good To Go

          Ähnlich, aber anders:

          „Wir dürfen die Klimakatastrophe nicht aus den Augen verlieren.“

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            Ein Videoclip geht viral: Promis wie Rike Schmid, Jan Delay und Rezo rufen dazu auf, GermanZero zu unterstützen. Die Initiative will Deutschland bis 2035 Klima-neutral machen. Im Interview erklärt Sabine Jankowski – zuständig für Kooperationen und Fundraising – wie du dich vor Ort für das bundesweite Projekt engagieren kannst.

            Worum geht’s bei GermanZero?

            SABINE JANKOWSKI: Wir wollen, dass die Bundesregierung ihr 1,5-Grad-Ziel, das 2015 in Paris vereinbart wurde, einhält. Dazu hat GermanZero 2019 im engen Austausch mit Dutzenden Experten und Wissenschaftlerinnen die Grundzüge eines wirksamen, fairen Maßnahmenpakets entwickelt, wie Deutschland die 2015 in Paris vereinbarten Klimaschutzziele einhalten kann, den 1,5-Grad-Klimaplan. Diese Vorlage übersetzt GermanZero 2020 mit Juristinnen und Fachleuten in einen tragfähigen Entwurf für ein 1,5-Grad-Klimagesetz. Mit Hilfe tausender Freiwilliger und einer bundesweiten Kampagne soll der Gesetzesentwurf 2022 durch den neuen Bundestag gebracht werden. Zusätzlich startet GermanZero noch in diesem Jahr eine Welle kommunaler Klima-Entscheide. Auf lokaler Ebene werden in zahlreichen Städten Bürgerbegehren auf den Weg gebracht. Das Ziel: Deutschland Stadt für Stadt in zehn Jahren Klima-neutral zu machen.

            Das spielt in der ganz großen Politik in Berlin. Was kann ich denn hier in Köln dazu beitragen?

            SABINE JANKOWSKI: GermanZero versteht sich als Initiative, die Druck von unten auf die Politik aufbauen will. Ein ähnliches Vorgehen hat einer unserer Gründer, Heinrich Strößenreuther, schon mit dem „Volksentscheid Fahrrad“ in Berlin initiiert und damit für Deutschlands erstes Mobilitätsgesetz gesorgt. Wie bei jeder erfolgreichen Kampagne sind wir auf ehrenamtliche Unterstützung durch Menschen angewiesen, die auf breiter Ebene diesen Druck mit uns aufbauen, Aktionen umsetzen oder ihr Fachwissen einbringen. Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche andere Möglichkeiten mitzuhelfen. Wer sich einbringen möchte, kann sich über das Mitmach-Formular auf unserer Website bei uns melden.

            Wir wollen weiter wachsen!“

            Sabine Jankowski

            Das klingt nach einer Menge Aufbauarbeit. Wie weit seid Ihr damit schon?

            SABINE JANKOWSKI: Derzeit besteht GermanZero aus einem Team von 15 festen und mehr als 1000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir wollen in den nächsten Wochen und Monaten weiter wachsen, um unsere Ziele erreichen zu können. 

            Sabine Jankowski German Watch
            Sabine Jankowski, Fundraiserin bei GermanZero. Foto: Magdalena Lepka

            Wie finanziert Ihr diesen Aufwand?

            SABINE JANKOWSKI: Wir sind ein gemeinnütziger Verein, wir decken unsere Kosten allein durch Spenden. Die Corona-Krise hält natürlich auch GermanZero in Atem. Umso wichtiger ist es für uns, dass wir die noch sehr viel größere weltweite Bedrohung durch die Klimakatastrophe nicht aus den Augen verlieren. Jetzt benötigen wir dringend Geld, damit die Arbeit professionell und zügig weitergehen kann. Deshalb sind wir derzeit für jede finanzielle Unterstützung dankbar.


            Zur Website von GermanZero.

            „f“ wie … „Freie Mitarbeit“

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              fffcologne nachhaltigkeit klima köln blog
              Mach auch Du Geschichten aus Köln sichtbar!

              Du hast Kapazitäten frei und willst Dich für eine gute Sache ehrenamtlich einbringen? Du interessierst Dich dafür, was in Köln in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz bereits passiert? Du kennst Menschen, die bereit sind, sich für ihre politischen Interessen einzusetzen und ihre Meinung kund zu tun? Du wolltest schon immer Teil einer gut gelaunten Redaktion sein? Wenn Du bei der nächsten Tiefenmeditation mindestens eine der vier genannten Fragen mit einem überzeugten „Ja, vielleicht“ beantworten kannst, bist Du unsere Frau, unser Mann, unser Divers!

              Wir von fff.cologne vergrößern uns und erweitern das Redaktionsteam. Wir suchen Mitarbeiter*innen, die schreiben, filmen und/oder podcasten wollen. Dabei können wir uns gut vorstellen, dass Du in Eigenregie mit beispielsweise einem Beitrag pro Woche dabei bist. Momentan sind das hauptsächlich Beiträge in Textform, bald sollen Filme, Podcasts und Fotostrecken unser Œuvre erweitern.

              Was sind Deine Themen?

              Deine eigenen Format- und Themenvorschläge sind herzlich willkommen. Wir haben selbst eine Liste voller Ideen, die Du mit uns zusammen recherchieren und ausarbeiten kannst – online und offline. Von uns bekommst Du fundiertes Feedback und bei Bedarf fachliche Anleitung. Wir alle haben unser Handwerk von der Pieke auf gelernt und geben unser bescheidenes Wissen gerne weiter.

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              Energie-sparend von unterwegs arbeiten: we <3 DIY
              Foto und Laptop: Rocco Steuns

              Bei der redaktionellen Arbeit kommst Du mit Menschen und Initiativen in Köln zusammen, die schon jetzt mit viel Power und Fantasie Neues möglich machen. Und gute Ideen sind ja bekanntlich ansteckend.

              Jetzt kommt die weniger gute Nachricht: Wir sind in der Aufbauphase und haben nur wenig Budget. Die nächste Förder-Runde steht Ende April an. Bis dahin können wir für Eure Mitarbeit kein Geld bezahlen, denn auch unser eigener redaktioneller Einsatz ist derzeit ehrenamtliches Engagement. Wenn Du Dir trotzdem vorstellen kannst, Teil unserer Redaktion zu werden und den Aufbau von fff.cologne zu unterstützen, freuen wir uns umso mehr über eine aussagekräftige Email von Dir!

              Herzlich,
              Verena, Annelie und Sebastian

              Vollzeit for future – aber wie?

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                Vollzeit for future Colabor Köln fff.cologne

                Der Unverpackt-Laden im Kölner Vorort kommt nicht zustande. Die überregionale Umweltaktion kann sich keine Öffentlichkeitsarbeit leisten. Und auch dieser Weblog läuft nur neben den eigentlichen Jobs. All diese Initiativen haben das selbe Problem: kein Geld.

                Derweil lässt der schwerreiche US-Präsident wissenschaftliche Studien zur Erderwärmung umschreiben, damit sie in sein Weltbild passen. Sein publizistischer Bruder im Geiste, der märchenhaft vermögende Rupert Murdoch, nutzt seine mediale Weltmacht systematisch, um beispielsweise die Ursachen für die monatelangen Waldbrände in seinem Heimatland Australien umzudeuten. Und die Klimawandelleugner der AfD erhalten Spenden von Unternehmern aus ganz Europa. Warum eigentlich?

                Arbeit – auch für die gute Sache – muss bezahlt werden.

                Vollzeit for Future lautet der vielversprechende Titel einer Workshop-Reihe, die das Kölner Colabor seit Mitte Februar 2020 veranstaltet. Initiatoren, Referenten und Teilnehmer arbeiten sich gemeinsam an der Frage ab, wie mehr Geld ins System kommen kann. Denn nur, wenn Menschen verlässlich von ihrem Engagement für eine lebenswerte Zukunft leben können, kann all die viele Arbeit getan werden, die getan werden muss.

                „Jedes Jahr müssen sechs Prozent der Emissionen runter, und das in den kommenden zehn Jahren“, sagte Colabor-Mitgründer Martin Herrndorf bei der Auftaktveranstaltung am 18. Februar 2020. „Die meisten Jobs produzieren CO2: durch Logistik, Reisen, Heizen und ähnliches. In allen Branchen muss sich die Arbeit verändern.“ Und ihre Bezahlung.

                Eine Zusammenfassung zum Kickoff der Reihe findet sich auf der Website des Colabor. Weitere Veranstaltungen sind geplant. Bereits fest stehen:

                Drei Efffs für ein Halleluja!

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                  Colabor fff.cologne Verena Maas Sebastian Züger Köln
                  Die zwei mit den drei Efffs: Verena Maas, Sebastian Züger

                  Wir sind ganz schön außer Atem. Schließlich haben wir versprochen, am 29. Februar 2020 zu launchen. Die Chance, an einem solchem Datum ans Licht der Welt zu treten, hat man schließlich nicht allzu oft – alle vier Jahre, um genau zu sein. Und nochmal so lange wollen wir nicht warten.

                  Nicht nur wir, die ganze Welt ist außer Atem. Syrienkrieg, Corona-Epidemie und immer wieder Trump Trump Trump sind die Themen, die am Tag unseres Webreleases die Nachrichten-Portale bestimmen. Die Analogie vom globalen Dorf – noch nie war sie so wahr wie heute. Fällt in China der sprichwörtliche Sack Reis um, spüren wir den Windhauch auch hier in Köln.

                  Global. Lokal. Nicht egal.

                  Die Klimaveränderung ist ein globales Phänomen und als solches schwer zu greifen. Die Katastrophe – sie droht, uns zu überwältigen. Wenn wir wissen wollen, was sie konkret für uns hier in Köln bedeutet, müssen wir uns die handfesten Informationen mühsam zusammen googlen. Die lokalen Medien machen zwar durchaus ihren Job, auch die Stadtverwaltung, Unternehmen und die einzelnen Initiativen mühen sich, die Öffentlichkeit zu informieren. Doch eine Anlaufstelle, die online alle relevanten Infos, Akteure und Ereignisse zu Klima- und Nachhaltigkeitsthemen in Köln bündelt, haben wir bisher nicht gefunden.

                  Drei Fragen wollen wir auf fff.cologne immer wieder neu beantworten:

                  1. Wie konkret ist der Klimawandel tatsächlich hier bei uns vor der Haustür?
                  2. Was kann ich als Individuum praktisch tun, um meinen Beitrag für den Erhalt unserer Umwelt zu leisten?
                  3. Was tun andere hier in Köln? In Politik und Bürgerschaft, in Verwaltung und Wissenschaft, dafür oder dagegen?

                  Freilich ist in unserem kleinen Weblog noch längst nicht alles so, wie wir es wünschen. Vor allem wünschen wir uns noch viel mehr Geschichten, die zeigen, wie vielfältig das Engagement für Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz in Köln schon jetzt ist.

                  Aber wir können ja auch nicht alles gleichzeitig erzählen. Deshalb fangen wir mit unserem kleinen Team jetzt einfach mal an. Und hoffen, mit Eurer Unterstützung noch lange weitermachen zu können.

                  Eine Anschubfinanzierung für das Projekt haben wir von der Klimaschutzstelle der Stadt Köln im Rahmen von Smartcity Cologne erhalten. Unser Ziel ist eine dauerhafte Finanzierung durch weitere Fördermittel und Sponsoren: Vollzeit for Future!

                  Plastik recyclen und Kaffee trinken

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                    alles im Flow?

                    Wer sagt eigentlich, dass Weltretten nicht auch gut schmecken, wach machen und finanziell attraktiv sein kann? Das Kölner Startup Plastic2Beans bringt Kunststoffrecycling nach Äthiopien und kauft direkt vor Ort Kaffee ein, der Kölner Unternehmer wach macht.

                    Die Gründer von Plastic2Beans sind drei junge Wissenschaftler aus Köln: Abiye Dagnew, Kunststofftechniker, Dr. Kalie-Martin Cheng, Polymerchemiker, und  Dr. Thomas Tam Giang, Marketingspezialist. Ihr Unternehmen will die Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltigen Handel in Mittelpunkt stellen.

                    Mit dem Erlös in der lokalen Währung Birr werden Kleinbauern-Kooperativen in Äthiopien unterstützt und hochwertige Kaffees direkt nach Deutschland importiert und gezielt an Unternehmen verkauft.

                    Am Anfang war ein Paar Schwimmflügel

                    Alles begann vor ein paar Jahren in Köln, als sich Abiyes Sohn von Kalies Tochter ein paar Schwimmflügel auslieh. So lernten sich die Eltern kennen.

                    Kalie hatte sich schon länger damit beschäftigt, wie man einen nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen umsetzen kann. Abiye erzählte Kalie von der schwierigen Situation in Äthiopien. Gemeinsam riefen sie Plastic2Beans ins Leben und banden nach und nach immer mehr Freunde mit ein.

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                    Das Team von Plastic2Beans: schlaue Leute mit guten Zielen

                    Mittlerweile besteht ein reger Austausch mit dem Botschafter von Äthiopien. Beim Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsforum NRW waren die Gründer von Plastic2Beans als Speaker geladen, ebenso bei Foodhub NRW.

                    Was die jungen Unternehmer antreibt, ist die Überzeugung, mit vereinten Kräften in Köln und Äthiopien etwas Sinnvolles in Gang setzen zu können. In Äthiopien werden momentan pro Jahr etwa drei bis sechs Milliarden PET-Flaschen neu (!) produziert, Recycling-Systeme gibt es so gut wie keine. Die wertvollen Rohstoffe werden also von Äthiopien ins Ausland verkauft, um recycelt werden zu können. Für die äthiopische Wirtschaft wäre Recycling im eigenen Land ein riesiger Gewinn und ein Wirtschaftssektor, den es aus Sicht von Thomas Tam Giang zu unterstützen gilt: „Es fehlt nur ein technologischer Schritt, um Recycling von PET komplett durchzuführen“, sagt Giang. „Es wird ja Plastik gesammelt, aber weiterverkauft anstatt wiederverwertet zu werden.“

                    From Bottle to Bottle

                    Plastic2Beans plant die erste PET-Recyclinganlage Äthiopiens und führt dazu derzeit eine Machbarkeitsstudie durch. Mittlerweile hat das Startup einige Kooperationspartner gefunden: deutsche Abfallunternehmen, die ein „from-bottle-to-bottle“-Recycling-System in Äthiopien mit aufbauen wollen.

                    Köln ist für Plastic2Beans ein interessanter Ort. Die StartUp-Szene in der Stadt und in ganz NRW wächst rapide. „Die Kooperation mit Zero Waste Köln, die Unterstützung durch das NRW-Gründerstipendium und die weitreichende Förderlandschaft sind für uns sehr fruchtbar“, sagt Giang. Auch vom Social Impact Lab und der IHK zu Köln kommt Unterstützung. „Die Themen Recycling, Mikroplastik- und Müllvermeidung werden immer relevanter und dürften mehr als ein kurzer Trend sein.“

                    Mit Banken hat das Startup aber nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Gründer von Unternehmen mit einem nachhaltigen oder sozialen Geschäftszweck erhalten oft keine Kredite. „Es überwiegt noch immer die Meinung, damit könne man doch kein Geld verdienen“, sagt Giang. „Manche verurteilen einen regelrecht, weil man mit etwas Gutem Geld verdienen will.“

                    Mit dem Kaffee haben Plastic2Beans ein dankbares und beliebtes Produkt auf dem Markt, das vielen Menschen und Unternehmen ein intelligentes Modell der zirkulären Wirtschaft und nachhaltigen Wertschöpfung näher bringt. Riecht gut, schmeckt gut – und macht außerdem schlauer!

                    Wer Süßes will muss strampeln

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                      fffcologne Kölner Schokofahrt Klima Nachhaltigkeit Lastenrad

                      Die Teilnehmer der Initiative Kölner Schokofahrt naschen gerne, aber wenn, dann Emmisions-frei. Deshalb fährt die Gruppe regelmäßig mit dem Lastenrad von Köln nach Amsterdam und wieder zurück.

                      Die ursprüngliche Idee der Schokofahrt stammt aus Münster. Inzwischen hat sie sich auf zahlreiche Städte in Deutschland verbreitet. In dezentral organisierten privaten Fahrradtouren transportieren die Teilnehmer Emissions-frei Schokolade und versüßen damit das Leben in ihrer Stadt.

                      Der Kakao für die Schokolade kommt von kleinen, genossenschaftlich organisierten Erzeugern in der Dominikanischen Republik. Von dort wird er mit dem Segelschiff Tres Hombres CO2-frei nach Amsterdam transportiert.

                      Das Segelschiff hat eine besondere Geschichte: Tres Hombres ist ein ehemaliger Kriegsfischkutter, der nach mehr als 60 Jahren zum Frachtsegler umgebaut wurde. Seit 2009 unterhält er einen Klima-neutralen Frachtdienst zwischen Europa und dem amerikanischen Kontinent.

                      Pilotprojekt: Emissions-freier Frachtdienst

                      Benannt ist das Schiff nach den drei Männern, die sein Konzept ins Leben gerufen haben: Greenpeace-Aktivist Andreas Lackner, der früher auf Großseglern arbeitete, Arjen van der Veen und Jorne Langelaan. Sie lernten einander auf Segelschiffen kennen und entwarfen gemeinsam das Konzept für einen Emissions-freien Frachtdienst über See. Als Pilotprojekt soll die Tres Hombres die Marktnische Fairtransport ausbauen und deren wirtschaftliche Lebensfähigkeit beweisen.

                      Entspannt ankommen: Segelschiff Tres Hombres
                      Foto: chocolatemakers.nl

                      Fertigung mit regenerativen Energien

                      Im Amsterdamer Hafen angekommen werden die Kakaobohnen aus der Karibik zu den Amsterdam Chocolate Makers transportiert, eine zu 100 Prozent mit regenerativen Energien betriebenen Fabrik, die die Rohstoffe zu Schokolade verarbeitet. Den Transport vom Hafen bis zur Fabrik erledigen Freiwillige – natürlich per Fahrrad.

                      Die fertigen Tafeln gelangen dann per Lastenrad nach Köln und dort in die Partner-Läden. Dafür tritt die Kölner Schokofahrt vier Tage lang und rund 500 Kilometer weit in die Pedale. Zu kaufen gibt es das Naschwerk unter anderem bei elf Rewe-Filialen in Köln und Bergisch Gladbach. Als kommende Abholtermine in Amsterdam sind der 11. und der 23. April 2020 geplant.