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Sind Unverpackt-Produkte weniger sicher?

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    Der #fuckcorona hängt inzwischen nicht mehr an der Fensterfront des Unverpacktladens Veedelskrämer im Kölner Agnesviertel
    Der #fuckcorona hängt inzwischen nicht mehr an der Fensterfront des Unverpacktladens Veedelskrämer im Kölner Agnesviertel

    Jeder weiß, dass wir zu viel Plastikmüll produzieren. Die Corona-Pandemie führt nun offenbar zu wachsenden Müllbergen. Dabei waren wir doch schon auf einem guten Weg, Einwegprodukte und Wegwerfplastik dauerhaft zu reduzieren. Auch an Unverpackt-Läden geht die Krise offenbar nicht spurlos vorbei.

    „Mit den Hygieneregeln in der Corona-Krise wird auch wieder mehr Plastik genutzt“, schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Wie das Recyclingunternehmen „Der Grüne Punkt“ mitteile, landen in den gelben Tonne von Privathaushalten seit März etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfall. „Dabei hatte es vor der Pandemie einen Abwärtstrend gegeben.“ Zwar sank gleichzeitig die Menge im Gewerbebereich leicht, in der Summe aber hat der Kunststoffmüll zugenommen.

    Die Süddeutsche Zeitung weist darauf hin, dass Rohöl wegen der weltweit schwächelnden Wirtschaft außergewöhnlich billig. Dadurch sei die Herstellung neuen Plastiks noch günstiger geworden – und das Recyceln relativ dazu noch teurer: „Hersteller, die bislang geschreddertes Altplastik oder Rezyklat für ihre Produkte und Verpackungen verwendet haben, schwenken daher auf Neuplastik aus billigem Rohöl um.“

    Schütten mit Nüssen, Mandeln und Studentenfutter bei „Tante Olga“. Foto: Jennifer Kiowsky

    Dabei gibt es etliche Möglichkeiten, das private Müllaufkommen zu reduzieren. Die Zahl der Anhänger der Zero-Waste-Bewegung wächst. Gerade in Köln, das „als deutsche Hauptstadt des abfallfreien Einkaufens“ gilt.

    Im gesamten Bundesgebiet öffnen immer mehr Unverpackt-Läden. Geschäfte also, in die man eigene Gläser, Töpfe, Beutel mitbringt, um darin Lebensmittel oder Reinigungsmittel einzukaufen – und eben nicht in Plastikpackungen.

    Gehen die Leute wegen Corona weniger in Unverpackt-Läden?

    In der Corona-Krise haben Hygienestandards einen anderen Stellenwert bekommen. Kann es sein, dass deswegen weniger Leute in Unverpackt-Läden einkaufen und so wieder Plastikmüll produzieren?

    „Es mag sicherlich Menschen geben, bei denen das so ist“, sagt Olga Witt. Sie ist eine Pionierin der Branche, sitzt im Vorstand von Zero Waste Köln und betreibt unter der Marke „Tante Olga“ in Köln zwei Läden. Allerdings kann sie sich nicht vorstellen, dass es ein großer Teil ihrer Kundschaft ist, der wegen der Pandemie skeptisch geworden ist. Grund für Befürchtungen gebe es nämlich keine. „Im Gegenteil, wir achten schon immer sehr genau auf die Hygiene.“

    Die Zeit der Hamsterkäufe ist vorbei

    Die Coronazeit hat am Anfang für etwas größeren Andrang gesorgt – insbesondere auf jene Waren, an denen es zeitweise mangelte: Klopapier und Backzutaten. Das ist aber wieder abgeflaut, die Kundschaft kauft insgesamt etwas weniger als vor Corona. Warum das so ist, darüber kann Olga höchstens spekulieren: „Die Leute sagen uns das ja nicht.“

    Um jenen Kunden entgegenzukommen, die sich möglichst kurz im Ladenlokal aufhalten wollen, wurde ein neues Angebot geschaffen. Beim „Schnelleinkauf“ können alle Waren außer Lebensmitteln im Online-Shop bestellt, bezahlt und im Laden abgeholt werden. „Das wird aber nicht allzu oft nachgefragt“, sagt Witt.

    Zudem hat „Tante Olga“ bis auf Weiteres alle Vorträge, Lesungen und Workshops abgesagt, die sonst im Rahmen der „Akademie Nachhaltigkeit“ stattfinden. Auch das soll der Ausbreitung des Virus‘ entgegenwirken.

    Zweimal „Veedelskrämer“ in Köln

    Auch vom Unverpackt-Laden „Veedelskrämer“ gibt es zwei Filialen in Köln. Das Geschäft im Agnesviertel hat erst Ende 2019 aufgemacht. Nadja Wulff, die hier arbeitet, hat ähnlich wie Tante Olga einen kurzfristigen Run auf Klopapier beobachtet. Eine stichprobenartige Kontrolle zeigt übrigens, dass das keineswegs zu einer Preissteigerung geführt hat. Die Rolle Toilettenpapier liegt aktuell bei 75 Cent,der „Veedelspreis“ für Inhaber der Kundenkarte bei 71 Cent – genau wie Anfang 2020.

    Der Veedelskrämer-Preis von Klopapier ist trotz der zwischenzeitig gestiegenen Nachfrage gleich geblieben. Foto: Markus Düppengießer

    Auch Nudeln, Reis und Bohnen waren eine Zeit lang stärker gefragt als üblich. Danach folgte insgesamt ein leichter Nachfragerückgang. Und das, obwohl einige der im März und April dazugekommenen Neukunden sogar „kleben geblieben“ seien und jetzt regelmäßig kämen. „Vielleicht liegt das daran, dass es in anderen Geschäften und auf dem Markt gelegentlich zu Anspannungen unter den Besuchern kam“, mutmaßt Nadja Wulff. „Das gibt es bei uns nicht. Unsere Kunden arbeiten gut mit und sind sehr geduldig.“

    Die Leergefäße werden vor dem Einkaufen gewogen

    Jedem Neukunden erklärt sie gerne das einfache Prinzip, wie beim Abfüllen der unverpackten Ware vorzugehen ist. Mitten im Ladenlokal, das sich der Veedelskrämer mit einem Weingeschäft teilt, steht eine Waage. Hier werden die mitgebrachten Dosen oder Gläser draufgestellt und das Leergewicht jedes einzelnen Behälters notiert. Nun geht der Kunde zu den Schütten, Fässern und Containern und füllt, was er tatsächlich gerade braucht – also nicht unbedingt die handelsüblichen 500 Gramm Nudeln oder ein Kilogramm Mehl. An der Kasse wird wieder gewogen und das Leergewicht abgezogen.

    Bettina Brockmann, die die Veedelskrämer-Märkte zusammen mit Ivana Louis leitet, hat festgestellt, dass „es insgesamt nicht mehr ganz so gut läuft wie vor Corona“. Das habe wohl auch damit zu tun, dass früher viele Leute auf dem Heimweg von der Arbeit vorbeikamen. Zu Homeoffice-Zeiten blieben diese Besuche aus.

    „Gefühl der Unsicherheit ist unbegründet“

    „Ein paar Leute hatten schon ein unsicheres Gefühl“, hat Nadja Wulff beobachtet. Das sei allerdings unbegründet. Denn nichts, was aus den Containern einmal rausgekommen ist, dürfe wieder dorthin zurück. Jeder einmal benutzte Löffel und jedes geleerte Gefäß werde gründlich gereinigt. „Als Unverpackt-Laden mussten wir vorher schon sehr hohe Hygienestandards erfüllen, daher mussten wir jetzt nicht viel ändern.“ Außer den Dingen, die man aus jedem anderen Geschäft kennt: Desinfektionsmittel am Eingang, Plexiglasscheiben an der Kasse, Maskenpflicht, Hinweise auf die Abstandsregeln.

    Blick in die leere „Tante Olga“-Filiale in Sülz. Foto: Jennifer Kiowsky

    Unverpackt einkaufen in Köln

    Die beiden Filialen von Tante Olga befinden sich in Sülz (Berrenrather Straße 406) und Nippes (Viersener Straße 6), Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10-15 Uhr.
    Den Veedelskrämer gibt’s in Ehrenfeld (Venloer Straße 270/Eingang Körnerstraße, Mo-Fr 10-13, 14-19 Uhr; Sa 10-16 Uhr) und im Agnesviertel (Neusser Str. 44, Mo-Fr 10-19 Uhr; Sa 10-17 Uhr).
    Zudem gibt es Migori – Verpackungsfrei einkaufen in der Südstadt (Bonner Str. 66, Mo-Fr 10-19 Uhr; Sa 10-16 Uhr). Weitere Unverpackt-Läden in Köln sind in Planung.

    Eisessen für den Regenwald

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      So schmeckt der Bio-Sommer//Fotos: Nomoo
      Werbung für sechs der aktuell sieben Nomoo-Eissorten / Fotos: Nomoo

      Das pflanzenbasierte Eis des Kölner Start-ups soll den besten Geschmack haben – und das beste Gewissen.

      Muss Speiseeis aus Milch und Sahne sein, um gut zu schmecken? Das fragten sich 2016 drei Kölner Studierende und Freunde des kühlen Naschwerks. Sie hatten „Cowspiracy“ gesehen, eine Doku über den negativen Einfluss der Viehwirtschaft auf die Umwelt. Danach wollten sie ein Eis produzieren, das ohne Massentierhaltung auskommt. Auf rein pflanzlicher Basis und richtig lecker.

      Rebecca Göckel (24) ist heute Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma.
      Rebecca Göckel (24) ist heute Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma.

      „Damals gab es nur ein veganes Eis im Supermarkt, und das schmeckte nicht“, erinnert sich Rebecca Göckel. Sie studierte seinerzeit Medienmanagement. Die beiden anderen, mit denen sie ihre Geschäftsidee entwickelte, waren für Betriebswirtschaft eingeschrieben. Einer von ihnen ist inzwischen ausgestiegen, mit dem anderen, Jan Grabow, hat sie vor zwei Jahren eine Firma gegründet. Heute wird in einer Hamburger Eismanufaktur produziert und bundesweit an 1000 Supermärkte geliefert. Das Unternehmen ist zu einem 18-köpfigen Team herangewachsen. Die Zentrale sitzt in einem Loft in Köln-Ehrenfeld, einer alten Tabakfabrik.

      „Ich wusste, daraus wird was ganz Großes“.

      Rebecca Göckel

      Wie sich das für eine Startup-Geschichte gehört, waren die Anfänge deutlich bescheidener. „Wir haben uns für die Herstellung eine Küche am Barbarossaplatz angemietet und produzierten nach 20 Uhr oder am Wochenende“, erzählte Göckel dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im April 2017. Heute sagte sie: „Das hatte schon ein gewisses Garagenflair, so wie bei Steve Jobs oder den Gründern von Amazon und Google. Ich wusste, daraus wird was ganz Großes.“ Auch wenn sie vorerst nicht mal bis Bonn oder Düsseldorf liefern konnten: „Unsere Kunden waren ein paar Cafés in der Innenstadt und Leute, die über unsere Homepage bestellten. Die sind wir persönlich mit dem Fahrrad abgefahren.“

      Den Begriff „vegan“ meidet man lieber.

      Der Markenname „Nomoo“, kein Muh, deutet darauf hin, dass die Herstellung ohne Kuhmilch auskommt. Das Produkt ist vollständig vegan, den Begriff meidet man jedoch lieber. Der erste Slogan hieß noch: „Veganes Eis – natürlich aus Köln“. Heute steht „pflanzlich“ auf der Packung. „Wir wollen kein nischiges Produkt anbieten, das nur Veganer anspricht, sondern eins für alle.“ Vegan werde nach wie vor oft gleichgesetzt mit „schmeckt nicht“. Vorgängerversuche anderer Hersteller hätten stark nach Soja geschmeckt – und ziemlich fade. „Das hat den Ruf von veganem Essen kaputtgemacht.“

      Auf den Geschmack wird bei Nomoo größten Wert gelegt. „Es gibt ja immer die eine beste Diele in der Stadt, die extrem leckeres hausgemachtes Eis hat. Und diesen Qualitätsanspruch wollen wir in den Supermarkt bringen“, sagt Rebecca Göckel. Um diese Qualität bei einer neuen Sorte zu erreichen, bestellen sie Fruchtpüree bei verschiedenen Lieferanten und machen mit dem gesamten Team Blindverkostungen, bevor sie sich entscheiden. „Ein Eis durchläuft eine sehr große Optimierungsschleife, bis wir sagen: Diese Sorte bringen wir jetzt raus.“

      Neben Supermärkten beliefert Nomoo bundesweit etliche Gastronomien – und elf in der Schweiz.
      Neben Supermärkten beliefert Nomoo bundesweit etliche Gastronomien – und elf in der Schweiz.

      In das Eis kämen nur natürliche, bio-zertifizierte Zutaten, keine Geschmacksverstärker oder Farbstoffe. Und der Anteil an Leitzutaten sei ungewöhnlich hoch, so Göckel: „Unser Mangoeis besteht zu 42 Prozent aus indischen Alphonsomangos, der weltbesten Mango. Bei anderen Anbietern liegt der Fruchtanteil eher bei der Hälfte. In unserem Kakaoeis haben wir zwölf Prozent peruanischen Edelkakao. Bei anderen sind es drei Prozent – wenn’s hoch kommt, vier.“

      Weniger Zucker und Kalorien, die Verpackung plastikfrei

      Nicht nur der Geschmack des Eises soll der beste sein. Er soll auch mit gutem Gewissen zu genießen sein. Deshalb wird noch mehr aufgefahren: weniger Zucker und Kalorien als in üblichem Eis, die Verpackung plastikfrei. Um den Klimawandel zu bekämpfen, werde der Kohlendioxid-Abdruck so deutlich wie möglich klein gehalten, sagt Göckel. Und das, was übrigbleibt, werde nicht nur einmal kompensiert, sondern zweimal: durch doppelte Investitionen in das brasilianische Projekt Jacundá, das den Regenwald schützt. „Wir sind also nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv.“

      „Wir wollen den Eismarkt revolutionieren.“

      Rebecca Göckel

      Nun könnte man sich fragen, warum erst Zutaten um die halbe Welt geflogen werden müssen, um dann Geld für den Regenwald zu spenden. „Theoretisch könnten wir auch Apfeleis aus regionalem Anbau machen. Aber das wird auf dem Markt nicht nachgefragt. Und wir wollen ja was bewegen, dazu müssen wir einen Massenmarkt erreichen.“ Der Ansatz des Ehrenfelder Startups ist dieser: Jeder Mensch, der einen Becher Nomoo-Eis kauft, kauft ein Milchspeiseeis weniger und trägt zu einem nachhaltigeren Eismarkt bei. Göckel: „Auf lange Sicht ist es unser Ziel, den kompletten Eismarkt zu revolutionieren.“

      Mit Eis aus dem Discounter will man sich nicht vergleichen lassen.

      Die Halb-Liter-Packung kostet bei Nomoo 5,99 Euro. Der Discounter hält ähnliche Mengen zwar zum halben Preis vor. Damit aber will man das eigene Produkt nicht vergleichen. „Wir sind im Premiumsegment unterwegs, bieten eine sehr hohe Qualität an und schaffen es dabei noch, das Produkt stringent nachhaltig aufzustellen.“ Insgesamt investiere die Konkurrenz weit weniger in Nachhaltigkeit und Qualität, sagt die Geschäftsführerin. „Und wir können ja wettbewerbsfähig arbeiten. Daher glaube ich, dass die anderen Unternehmen sehr viel Geld verdienen müssen an ihren Produkten.“

      Die Gründer Rebecca Göckel und Jan Grabow vor der Firmenzentrale, einer alten Tabakfabrik in Ehrenfeld
      Die Gründer Rebecca Göckel und Jan Grabow vor der Firmenzentrale in einer alten Tabakfabrik in Ehrenfeld

      Das Ehrenfelder Unternehmen ist auf Wachstumskurs. Lag der Umsatz 2018 bei 150.000 Euro, „werden wir in diesem Jahr die Million knacken“, schätzt Göckel; etwa 400.000 Becher würden wohl verkauft. Drei Gesellschafter sind im vergangenen Jahr eingestiegen. Die nordrhein-westfälischen Firmen Quest Solutions und Siltho Research sowie AM1 Ventures aus München haben als Business-Angels eine sechsstellige Summe investiert.

      Die Firma weiß auch, wo ihre Grenzen sind.

      Für das abgelaufene Jahr hat die Firma einen Corporate-Social-Responsibility-Report erstellt, um seine unternehmerische Gesellschaftsverantwortung zu dokumentieren. Neben all den Anstrengungen für eine sozial- und umweltverträgliche Produktion weiß die Firma auch, wo ihre Grenzen sind: „Da wir als kleines Unternehmen bislang nur in der Lage sind, kleinere Mengen der Rohstoffe abzunehmen und somit von Großhändlern abhängig sind, ist es für uns derzeit noch unmöglich, direkten Einfluss darauf zu nehmen, wie die Lage bei den jeweiligen Bauern vor Ort ist“, heißt es im CSR-Report. „Vielleicht wird das in zwei, drei Jahren anders sein und wir haben auf unseren eigenen Himbeer- und Mangoplantagen das Sagen“, hofft Rebecca Göckel.

      Wir wollen uns erst einmal den deutschen Markt sichern.

      Rebecca Göckel

      Neben Supermärkten beliefert Nomoo etliche Gastronomien in ganz Deutschland – und elf in der Schweiz. Mit Österreich laufen erste Gespräche. Übereilt wird der Einstieg in andere Länder allerdings nicht. „Wir wollen uns erst einmal den deutschen Markt sichern“, sagt Göckel. Ein Unternehmen, dass so auf Nachhaltigkeit setzt, soll schließlich auch nachhaltig wachsen.

      Sechs der sieben aktuellen Nomoo-Eissorten. Nicht im Bild: Ingwer-Zitrone
      Sechs der sieben aktuellen Nomoo-Eissorten. Nicht im Bild: Ingwer-Zitrone

      Hier gibt’s das Eis von Nomoo

      Nomoo-Eis wird aktuell in den Sorten Mango, Himbeere, Cassis, Kakao, Ingwer-Zitrone, Kokos- und Erdnuss angeboten. In Köln vor allem in etlichen Rewe- und Edeka-Filialen, bei Bio-Supermärkten wie Alnatura und Denns. Der Becher kostet 5,99 Euro (500 ml) beziehungsweise 2,99 Euro (120 ml), bestellbar unter anderem über den Onlineshop. Mehr Infos zu Nomoo bei Facebook und Instagram. In diesem Youtube-Video präsentiert Göckel das Unternehmen in der Reihe „Top 40 unter 40 – Macher aus dem Rheinland“.

      Pflanzenbasiertes Eis anderer Anbieter

      Eine Reihe veganer Eissorten bieten Ben & Jerry’s, Rewe Beste Wahl, Breyers, von Carlotta Veganes Eis und Carte D’Or. Magnum hat das Magnum Vegan Classic. Milchfreies Eis gibt’s bei Valsoia.

      Für Europa – und für die Umwelt

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        Kundgebung von Pulse of Europe Köln am Roncalliplatz, 5.11.17
        Fotos: Düppengießer (8), PoE Köln (1)

        Lange Zeit ging an jedem ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr die Sonne hinterm Dom auf. Eigentlich immer, wenn die Kölner Abordnung der Bewegung Pulse of Europe zu ihrem Treffen lud, klärte sich der Himmel auf und präsentierte sich in der Farbe, die am besten zu so einer proeuropäischen Initiative passt: in strahlendem Blau.

        Zwar haben sich 2020 die Ausnahmen gehäuft. Zweimal ließ Corona die übliche Versammlung platzen, ein paar Male regnete es. Und sowohl im Juni als auch im Juli tagte die Demoreihe erst am zweiten Sonntag. Dennoch bleibt es eine gute Idee, sich den regelmäßigen Demos anzuschließen. In dieser „blauen Stunde“ sprechen mehr oder weniger prominente Menschen zu einem Thema mit Europabezug. Meist bleibt auch Zeit für das Offene Mikrofon mit Wortmeldungen aus dem Publikum. Traditionell gibt es ein musikalisches Beiprogramm, die „Ode an die Freude“ mit Menschenkette ist als Abschluss fest im Programm.

        Bei der nächsten Kundgebung am Sonntag, 12. Juli 2020, ab 14 Uhr (hier alle Infos) spricht ein Vertreter von Kölle for Future, einem Bündnis verschiedener Organisationen wie Fridays for Future und Parents for Future. Ein Wirtschaftswissenschaftler von Pulse of Europe Düsseldorf wird die gerade begonnene deutsche EU-Ratspräsidentschaft mit Blick auf den Green Deal analysieren. Das Norbert-Gymnasium Knechtsteden stellt das Umweltprojekt „Auf der Arche um 5 vor 12“ vor, bei dem es zwei Jahre lang mit Partnerschulen aus Lettland, Italien, Norwegen, Rumänien und Polen zusammenarbeitet.

        In erster Linie richten sich die Treffen nicht – wie andere Demonstrationen – gegen einen akuten Missstand. Es geht darum, „den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar zu machen“, wie es in den „Zehn Grundsätzen“ der überparteilichen und parteiunabhängigen Bewegung heißt. „Wir sind überzeugt, dass die Zahl der Menschen, die der europäischen Idee positiv gegenübersteht, größer ist als die Zahl der Gegner.“

        Umweltprobleme auf europäischer Ebene lösen

        Das Bewusstsein wächst, dass Klima- und Umweltschutz auch im europäischen Zusammenhang eine steigende Bedeutung zukommt. „Dieses Europa ist die Ebene, auf der die wichtigen Zukunftsfragen angegangen werden können, die auf nationalstaatlicher Ebene nicht zu lösen sind“, sagt Stefan Bildhauer. Er leitet das International Office der Kölner Universität und ist Mitglied im Organisationsteam von Pulse of Europe Köln. Man wolle die Bühne bilden und Gesprächssituationen herstellen, „um diese Themen aus der europäischen Perspektive gemeinsam zu diskutieren“.

        Die monatliche Versammlung ist das öffentliche Aushängeschild von Pulse of Europe, aber vieles passiert auch im Hintergrund. Vom „Hausparlament“, bei dem sich vier und acht Menschen im privaten Rahmen treffen, um sich über europäische Fragen auszutauschen, bis zum Programm „Europa ist deine Zukunft“ mit Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse.

        So voll wie im September 2017 wird es nicht immer bei den Kundgebungen.

        Pulse-of-Europe-Kundgebungen finden europaweit am ersten Sonntag des Monats statt, in Köln erstmals am am 5. Februar 2017 – noch direkt vor dem Hauptbahnhof. Wegen des großen Zuspruchs musste die Demoserie bald auf die andere Domseite wechseln. „Zwischenzeitig, vor den wichtigen Wahlen in den Niederlanden oder Frankreich und vor den Europawahlen, sind bis zu 3500 Menschen gekommen“, erinnert sich Bildhauer. Zuletzt habe sich die Zahl bei 250 bis 300 Teilnehmern eingependelt.

        Kreidekreuze, um den Mindestabstand einzuhalten

        Corona macht seit Monaten viele Veranstaltungen unmöglich. Im April etwa mussten Fashion Revolution Week, Earth Day und Globaler Klimastreik ins Internet umziehen, aus öffentlichen wurden Online-Proteste. Auch die Critical Mass Köln trifft sich eigentlich an jedem letzten Freitag im Monat zu einer „Protestfahrt“: Hunderte, oft gleich Tausende Radler fahren durch die Stadt, um „auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufmerksam zu machen“. Zu Coronazeiten fallen die Touren aus.

        Pulse of Europe Köln hat die Kundgebung im April abgesagt, die im Mai fand nur als Youtube-Video statt. Seit Juni aber geht es weiter. Maskenpflicht gilt sowieso. Damit auch die übrigens Hygiene-Vorgaben beachtet werden, machen die Veranstalter etwas, was bei Demonstrationszügen wenig bringen würde: Sie malen Kreidekreuze auf den Boden, an denen sich die Teilnehmer orientieren können, um den Mindestabstand einzuhalten.

        Mit diesen Vorgaben ist auch die Versammlung am Sonntag, 12. Juli 2020 möglich. Schwerpunkt ist der „Green Deal“. Nach diesem Konzept soll die Europäische Union bis 2050 die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und damit als erster Kontinent klimaneutral werden.

        Im Mai 2017 bauten die Teilnehmer auf dem Roncalliplatz symbolisch eine Kartonmauer auf und rissen sie ein.

        Bislang standen Umweltthemen nicht derart prominent auf der Agenda. In den „Grundsätzen“ werden sie nicht ausdrücklich erwähnt, waren eher implizit mitgemeint. „Aber auch schon auf früheren Veranstaltungen ist das Thema Klima- und Umweltschutz zur Sprache gekommen. Eben weil es einer gemeinsamen europäischen Lösung – und Vorbildfunktion – bedarf“, sagt Stefan Bildhauer. So sprachen beispielsweise schon eine Vertreterin von Fridays for Future und Harald Rau, der Sozial- und Umweltdezernent der Stadt Köln, vor den Demonstrierenden.

        Mehr Einsatz im Klima- und Umweltschutz gefordert

        Den Green Deal hat die Europäische Kommission unter Ursula von der Leyen ausgearbeitet. Aber nicht nur deswegen wird das Thema künftig noch stärker in den Vordergrund treten. Der Wunsch dazu kam auch aus den Reihen der Teilnehmer. Im Mai veranstaltete Pulse of Europe Köln eine Umfrage. Auf die Frage, wo die Europäische Union ihr Engagement steigern solle, wurde am häufigsten der Klima- und Umweltschutz genannt. „Die Befragten fordern von der EU – trotz Corona-Krise und massiven wirtschaftlichen Einbrüchen – in allererster Linie mehr Einsatz für den Kampf um den Klima- und Umweltschutz“, fasste es Bildhauer zusammen.

        Rhein-Querung for Future?

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          Die Verkehrsplanung im Kölner Süden steht vor einem Umbruch. Dabei konkurrieren verschiedene Konzepte, Ideen, Planungen und Trassen: Kommt eine Autobahnbrücke oder ein Autobahntunnel? Oder eine Stadtbahn-Brücke? Die Antwort bestimmt mit, ob wir in Köln unsere Klimaziele erreichen. Unser „Idee des Monats„-Autor Martin Herrndorf macht den Klima-Check.

          Wer im Kölner Süden wohnt, hat es Grün. Auf der Grenze von Porz und dem Rhein-Sieg-Kreis, zwischen Niederkassel, Mondorf, Wahn und dem Rhein liegt eine kleine grüne Idylle. Teilweise, wie die Lülsdorfer Wiesen, steht diese sogar unter besonderem Schutz.

          Doch die Idylle hat ihren Preis. Denn die Region ist verkehrlich schlecht angebunden, gerade für Pendler ist dies natürlich ein Problem.

          Dies gilt insbesondere für den Öffentlichen Nahverkehr. Die Stadtbahn-Linie 7 endet in Porz und braucht von dort stolze 24 Minuten bis zum Neumarkt. Auch die S-Bahn in Wahn ist, ohne Auto, aus den Rheindörfern nur schwer zu erreichen. Besonders absurd wird es, wenn man von Porz auf die anderen Rheinseite möchte: Nach Wesseling braucht man mit dem Auto 31 Minuten, mit Bus und Bahnen gar stolze 1,5 Stunden.

          Das Ergebnis: In Langel kommen auf 1000 Einwohner 562 PKW – das sind ziemlich genau doppelt so viele wie in der Kölner Innenstadt (276). Im Stadtkern von Porz mit Anschluss an die Stadtbahn und den überregionalen Bahnverkehr sind es 361.

          All das hat Auswirkungen auf den Klimaschutz: Während die Emissionen in anderen Bereichen gesunken sind, steigen sie beim Verkehr – bundesweit und auch in Köln. Während die Anwohner*innen der Innenstadt dabei relativ leicht auf andere Optionen umsteigen können, ist dies in den Randlagen schwierig. Vor allem, wenn diese so schlecht angebunden sind wie das hier betrachtete Gebiet.

          Zusätzlich ist der Kölner Süden auf beiden Seiten des Flusses auch Industriestandort. Linksrheinisch befinden sich zwei große Shell-Standorte sowie der Godorfer Hafen, rechtsrheinisch hat Evonik einen Standort samt Verladestation.

          Die Planungen

          Die Politik hat das Problem seit längerem erkannt. Es gibt mehrere konkurrierende Ideen.

          Ein Ansatz mit überörtlicher Bedeutung ist die sogenannte „Rheinspange“, eine Autobahntrasse, die von der Autobahn A59 im Rechtsrheinischen mit einer Brücke über den Rhein hinweg zur A555 auf der anderen Rheinseite führen soll. Hier ist eine lokale Auffahrt vorgesehen, zum Beispiel zwischen Langel und Lülsdorf. Es gibt verschiedene Ansätze für die Trassenführung, primär diskutiert werden eine nördliche an Langel vorbei und eine südliche zwischen Niederkassel in Lülsdorf.

          Parallel dazu treiben die Verantwortlichen neue Bahntrassen voran, etwa eine Verlängerung der Linie 7 von Porz aus. Eine zweite Variante soll den rechtsrheinischen Süden über den Rhein hinweg an das Stadtbahnnetz anbinden. Hier wäre eine neue Brücke notwendig Die Fahrzeiten in Richtung Innenstadt wären so deutlich kürzer.

          Der Klimacheck

          Während die neuen Stadtbahntrassen recht unumstritten sind, ist um die „RheinSpange“, deren Planungen samt Berücksichtigung im Bundesverkehrswegeplan schon recht weit fortgeschritten sind, eine Kontroverse entbrannt. Die Spaltung reicht quer durch die Parteien. So ist die Kölner SPD bisher überwiegend für die RheinSpange, während sich die SPD Niederkassel überraschend und deutlich gegen die neue Autobahnbrücke ausgesprochen hat.

          Von der zwischenzeitlich kursierenden Idee, Stadtbahn und Autobahn zu verbinden, haben sich Politik und Verwaltung mittlerweile verabschiedet. Dies liegt vor allem daran, dass eine Stadtbahntrasse möglichst nah an den bestehenden Siedlungsgebieten liegen sollte, um Haltestellen nah an Wohnorten zu ermöglichen, während eine Autobahn wegen der Lärmbelastung und sonstiger Emissionen möglichst weit weg von Wohngebieten verlaufen sollte. Gerade die Anwohner*innen vor Ort machen mobil gegen die Autobahnbrücke, wie dieses Video zeigt.

          Verkehrsströme

          Klar ist: Neue Autostraßen erzeugen zusätzlichen Autoverkehr. Das bestreiten auch die Befürworter*innen der RheinSpange nicht. Es wird sogar als Pro-Argument ins Spiel gebracht: Kürzere Wege, zum Beispiel von Lülsdorf nach Wesseling, bedeuten weniger Energieverbrauch – gut für den Klimaschutz!

          Dieses Argument berücksichtigt allerdings nicht, dass neue Infrastruktur immer auch einen verkehrlichen Effekt hat, also mit beeinflusst, wer wie oft und wie weit mit welchem Verkehrsmittel unterwegs ist.

          Das Verkehrsgutachten für die Nordvariante rechnet mit 63.700 Autos pro Tag, die über die neue Autobahnbrücke fahren. Dagegen stehen Entlastungen von täglich 18.900 auf der Rodenkirchener Brücke und 8.800 Fahrzeuge weniger in Bonn. Die Entlastungen auf den anderen Brücken machen damit nur ein Drittel der Mehrfahrten auf der neuen Brücke aus.

          Zudem ist zweifelhaft, ob die anderen Brücken und auch alle anderen Straßen wirklich dauerhaft entlastet werden. So könnten Pendler, die jetzt per Bus und Bahn fahren, weil sie nicht im Stau stehen wollen, in Zukunft wieder umsteigen – und den Rückgang kompensieren.

          All das steht im deutlichen Widerspruch zu den Zielen der Stadt Köln. So soll, nach dem Mobilitätskonzept KölnMobil 2025, der Anteil der Autofahrten an den Gesamtfahrten deutlich sinken. Und das Klimakonzept Köln KlimaAktiv 2022 errechnet gar einen notwendigen Rückgang des Automobilverkehrs von heute 43 Prozent auf 10 Prozent (!) im Jahre 2030, wenn die Pariser Klimaziele eingehalten werden sollen. Ob eine derartig drastische Reduktion möglich oder durchsetzbar ist, ist ohnehin fraglich. Unmöglich wird sie, wenn wir in den Maße Kapazitäten zubauen, wie es hier geplant wird.

          Aus dem Verkehrsgutachten. Grafik: https://rheinspange.nrw.de/

          Hochwasser, Naturschutzgebiete & Co.

          Der zweite Klima-relevante Aspekt sind die lokalen Auswirkungen auf Feld, Wald und Wiesen. Hierbei geht es vor allem um die Klimafolgenanpassung. Die Prognosen, mit denen auch die Stadt Köln arbeitet, sagen zwei Tendenzen voraus.

          Zum einen soll es zwar auch in Zukunft ähnlich viel regnen wie heute – aber dafür konzentrierter in Form von Starkregen. Dafür braucht es Ablauf- und Rückehaltebecken, sowohl im Kleinen, wenn es um die städtische Kanalisation geht, als auch im Großen, um Hochwasserwellen aufzufangen. Gut ist hierbei unversiegelter Boden, weil dieser Wasser besser zurückhalten kann. Schlecht sind versiegelte Flächen, weil das Wasser konzentriert abgeführt wird. Zum anderen braucht es Rückhaltebecken entlang des Rheines. Auch diese werden von manchen Varianten durchschnitten.

          Zum anderen sind Naturräume wichtig, um die klimatischen Schwankungen vor Ort aufzufangen, insbesondere in Hitzeperioden. Hierbei ist die Stadt Köln auf „Kaltluftentstehungsgebiete“ angewiesen: unbebaute Flächen, aus denen kältere Luft in die Siedlungsgebiete zieht. Das funktioniert schon im Kleinen: So ist der Grüngürtel meist ein paar Grad kälter als die umgebenden Stadtviertel.

          Nicht zuletzt sind zusammenhängende Naturräume wichtig, um bedrohten Arten Schutz zu bieten. Auch hier wirkt die Rheinspange „einschneidend“, weil sie große, zusammenhänge Flächen zerteilt, die heute unverbaut sind, und – egal ob landwirtschaftlich genutzt oder naturbelassen – ein wichtiger Rückzugsort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind.

          Dies alles sind keine Mutmaßungen, sondern Prognosen, die im Detail untersucht worden sind. Die Umweltverträglichkeitsstudie zur Rheinspange von Cochet Consult im Auftrag von Straßen.NRW zieht das Fazit:

          „Unter Berücksichtigung der Darstellungen in Kapitel 4.1 und der Raumwiderstandskarte kann zunächst grundsätzlich festgehalten werden, dass sich zwischen der A555 im Westen und der A59 im Osten keine durchgängigen konfliktarmen Korridore ableiten lassen.“

          Wohlgemerkt: Es geht nicht um „konfliktfreie Korridore“ – Kompromisse zwischen unterschiedlichen Zielvorgaben sind ja planerischer Alltag – sondern nur um „konfliktarme“. Für alle Trassen-Entwürfe finden sich im Detail teils schwerwiegende „Raumwiderstände“ – ein technischer Begriff dafür, dass im Zweifelsfall landwirtschaftliche Fläche oder geschützte Wiesen und Wälder für die Autobahn weichen müssen.

          Der Tunnel als Lösung?

          Vor allem die Konflikte vor Ort haben dazu geführt, dass ein Rheintunnel in die Diskussion gebracht wurde. Und ja – für die besonders schutzwürdigen Zonen direkt am Ufer wäre dies wohl eine geeignete Lösung. Allerdings wäre auch ein Tunnel mit schwerwiegenden Eingriffen in die Natur verbunden, etwa durch Ein- und Ausgänge, Wartungszugänge und Entlüftungsschächte, zudem würde er wohl nicht die ganze Strecke abdecken.

          Letztlich steht hinter der RheinSpange die Frage, welche Vision für die Zukunft wir haben. Setzen wir auf weiteres materielles Wachstum? Also auf mehr Konsum, mehr Logistik, mehr Straßen? Oder treiben wir die Dematerialisierung unserer Wirtschaft weiter voran? Bauen wir im Sinne des Postwachstumsgedankens mittelfristig dezentrale, regionale und digital vernetzte Formen des Wirtschaftens auf?

          Die RheinSpange steht mit Sicherheit für das Wachstumsparadigma – und auch für eine Kapitulation vor der Frage, ob nicht der Gütertransport über die Schiene eine gangbare Alternative wäre.

          Fazit Klimacheck: schlechte Noten für die Rheinspange

          Im Klimacheck schneidet die RheinSpange mehrfach schlecht ab. Wie oben dargestellt und durch die Gutachten belegt, erzeugt sie massiv neuen Autoverkehr. Der Entlastungseffekt durch kürzere Wegstrecken dürfte verglichen damit vernachlässigbar sein.

          Zudem greift sie in wichtige Kulturlandschaften vor Ort ein und mindert deren Kapazitäten, Klimaveränderungen abzumildern. Nun nimmt auch eine Stadtbahn Flächen in Anspruch – allerdings werden diese im allgemeinen nicht voll versiegelt. Außerdem sind sie deutlich weniger umfangreich.

          Gerade weil das Verfahren schon so weit fortgeschritten ist: Die RheinSpange ist ein hervorragender Anlass, bei dem die Kölner Politik zeigen kann, wie ernst sie den ausgerufenen Klimanotstand nimmt.

          Eine Runde Bohrhammer für alle!

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            Trink-Genosse Köln fff fff.cologne
            Foto: Silviu Guiman

            Bar jeder Vernunft oder zur Nachahmung empfohlen? Das Kölner Bar-Projekt „Trink-Genosse“ verteilt das unternehmerische Risiko auf viele Schultern. Und erprobt so ein Geschäftsmodell, mit dem sich künftige Krisen womöglich besser meistern lassen als in klassischen Wirtschaftsbetrieben.

            Ich habe eine Verabredung: mit Louisa Manz in der neu gegründeten Kölner Bar „Trink-Genosse“. Geht nicht in Corona-Zeiten? Geht doch! Die Trink-Genoss*innen haben nämlich nicht nur mit der Gründung einer Genossenschaft im Juli 2019 Neuland betreten, sondern auch mit der Eröffnung ihrer virtuellen Bar Mitte März 2020, die dem realen Vorbild in Köln-Ehrenfeld entspricht: mit Hauptraum, Küche, Theke, Dancefloor, Hinterzimmer und sogar Kloschlange und Raucherecke. In der sitze ich jetzt mit Louisa, jede von uns allein vor einer Webcam und doch gemeinsam. Eintritt frei!

            Administrative Widerstände

            Der Traum einer Bar, in der Gemeinschaft vor Profit steht und jede*r seine Ideen einbringen kann, entstand 2016 in einer Kölner Studenten-WG. Die Ur-Trink-Genossen Jan Buckenmayer und Kai Berthold stießen bei der Umsetzung jedoch bald auf administrative Widerstände. Das Konzept einer Bar in Form einer Genossenschaft war ungewöhnlich, und deswegen existierten keine etablierten Strukturen für eine Neugründung.

            Im Herbst 2018 gab es den zweiten Anlauf, begleitet von einer Crowdfunding-Kampagne. Rund 150 Leute spendeten 56.000 Euro. Im Juli 2019 folgte die Ausgründung der Genossenschaft: die Menschen aus der Crowd wurden offiziell zu Genoss*innen und damit automatisch zu Eigentümer*innen des „Trink-Genosse“.

            Virtuelle Bar Trink-Genosse Köln fff fff.cologne
            Die virtuelle Bar.

            Noch fehlte ein geeigneter Ort. Es folgten Erkundungstouren durch die Stadt, um Ausschau nach geeigneten Räumlichkeiten zu halten. „In einem Anfall von abenteuerlichem Wahnsinn haben wir das Lokal an der Subbelrather Straße 254 übernommen“, erzählt Louisa. „Wir hatten großes Glück mit dem Vermieter. Der mochte unser Konzept, auch ohne Erfolgsgarantie.“

            Lousia Mantz Trink-Genosse Köln fff fff.cologne
            Trink-Genossin Louisa Mantz. Foto: Silviu Guiman

            Warum ausgerechnet eine Genossenschaft? Ist das nicht staubig, spießig und konservativ? Vorstandsfrau Louisa, Mitglied seit 2018, erklärt es so: „Fast jede Genossin und jeder Genosse hat schon mal davon geträumt, eine Bar oder ein Café zu eröffnen. Bei Trink-Genosse schmeißen alle ihren Traum in einen Topf und machen gemeinsam das, was einer allein nicht schafft.“

            Risiko gemeinsam tragen

            Für April 2020 war die Eröffnung geplant, aber Corona hatte was dagegen. Stress erzeugt das kaum, nicht nur weil der Vermieter freundlicherweise vorübergehend die Miete gesenkt hat. Eine Genossenschaft verteilt das unternehmerische Risiko auf viele Schultern. Jede*r Genoss*in hält einen oder mehrere Anteile im Wert von je 250 Euro. „Gemeinsam tragen wir auch das Risiko“, sagt Louisa. Niemand hat mit der Bar-Gründung seine Existenz aufs Spiel gesetzt, und so kann Corona den Trink-Genoss*innen im Vergleich zur klassischen Gastronomie wenig anhaben: „Sollte wir es nicht schaffen, habe ich 250 Euro verloren, aber dafür die krasseste Fortbildung meines Lebens bekommen.“

            Louisa war im vergangenen Jahr in Vollzeit, aber ehrenamtlich Projektkoordinatorin der Trink-Genossen. Jetzt ist sie wieder in ihren eigentlichen Job und gibt anderen die Gelegenheit sich auszuprobieren.

            Solidarisch, kreativ, nachhaltig

            Die Genoss*innen geht es um mehr als gemeinsam Spaß zu haben. Sie wollen zeigen, dass solidarisches, kreatives und nachhaltiges Wirtschaften auf lokaler Ebene möglich ist – auch im herrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystem. Der Profit ist kein Selbstzweck, sondern bildet die notwendige betriebswirtschaftliche Grundlage für ein demokratisches und vielfältiges Miteinander, für faire Gehälter und die zuverlässige Deckung der Betriebskosten.

            Die Trink-Genoss*innen wollen einen Präzedenzfall schaffen. Wie beantragt man mit über 100 Eigentümern und drei jährlich wechselnden Menschen im Vorstand eine gewerbliche Konzession, die üblicherweise an Personen gebunden ist und daher mit jedem neuen Vorstand theoretisch neu beantragt werden müsste? Wie eröffnet man mit einem unerprobten Geschäftsmodell ein Konto? Gemeinsam haben sich die Trink-Genoss*innen durch solche administrativen Fragen hindurchgearbeitet. Um Gründer*innen künftiger Genossenschaften den Start zu erleichtern, hat Louisa den Prozess im Blog von Trink-Genosse dokumentiert.

            Mitmachen und mitbestimmen

            Wer die Grundprinzipien der Genossenschaft teilt, darf die Angebote nutzen und selbst welche machen. Stimmberechtigt sind allerdings nur Anteilseigner; so ist es gesetzlich festgeschrieben. Statt eines Manifests gilt ein „Manifluid“. Louisa: „Wir befinden uns in einem nicht endenden Lernprozess, in dem Konflikte ein Ausdruck unseres demokratischen Vorgehens sind. Aus Konflikten sind bisher die besten Ideen entstanden.“ 

            Bisher hat das Netzwerk mit seinen vielfältigen Fähigkeiten alle Herausforderung gemeistert. Und was man nicht kann, lernt man eben. „Menschen dürfen hier die ganze Zeit Sachen machen, zu denen sie sonst nie Gelegenheit hatten“, erzählt Louisa. Wie jüngst bei der Entkernung der Barräume, als der gesamte Sanitärbereich renoviert wurde: „Da wollten alle mal an den Bohrhammer!“ Und natürlich durften auch alle mal – ganz genossenschaftlich.

            Ur-Trink-Genossen Jan Buckenmayer und Kai Berthold. Foto: Silviu Guiman

            In Coronazeiten laden die Genoss*innen täglich zwischen 19 und 21 Uhr zum Keipen- und Spieleabend ein. Einmal wöchentlich ist Plenum, das allen Interessierten offen steht. Eine Tabelle gibt Übersicht über geplante Aktivitäten und Thekenschichten. Wer die Genoss*innen in der aktuellen Durststrecke unterstützen will, kann dies über digitalen Getränkekauf in der virtuellen Bar tun.

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            Trink-Genossinnen in der virtuellen Bar. Foto: Keppel

            Zur Website von Trink-Genosse

            Vom Fenster aus für eine bessere Welt

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              Fashion Revolution Week, Earth Day und Globaler Klimastreik: Bis Sonntag, 26. April 2020, erleben wir eine Woche der Online-Proteste.

              Zu Hause bleiben und trotzdem (klima-)politisch aktiv sein? Gar nicht so einfach. In der aktuellen Woche vom 20. bis 26. April 2020 aber gibt es gleich mehrere Möglichkeiten dazu: die Fashion Revolution, der Earth Day und der Globale Klimastreik. Positiv ausgedrückt: Es war nie leichter zu demonstrieren. Du musst dazu nicht einmal die Couch verlassen – es geht sogar im Schlafanzug. Der Nachteil allerdings: Damit fällt auch die letzte Ausrede flach, nicht dabei zu sein.

              20. bis 26. April: Fashion Revolution Week

              Online-Klimaaktionen in Köln: Fashion Revolution Week
              Kampagnenslogans wie dieser finden sich zum kostenlosen Download auf www.fashionrevolution.org

              An jedem Tag der Woche sollen Zeichen gesetzt werden gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung in der Modeindustrie. Das Datum hat einen tragischen Hintergrund: Es erinnert an den 24. April 2013, als in Bangladesch ein Gebäudekomplex mit mehreren Textilfabriken einstürzte und 1138 Menschen zu Tode kamen.

              Zum Dresscode gehört es, mindestens ein Kleidungsstück auf links anzuziehen und mit einem Hinweis auf die Fashion Revolution Week zu versehen. Das geht auch auf dem Weg zum Supermarkt oder zur Arbeit, beim Joggen oder Spaziergehen.

              Damit Nicht-Eingeweihte die Aktion erkennen, lässt sich das Outfit um ein selbst gemaltes oder gesticktes Demoschild ergänzen; oder um einen Aufnäher: Der ökofaire Modeladen Kiss The Inuit – der übrigens bis Ende April 2020 Jeans sammelt, um daraus Köln-Sweater zu fertigen – will dazu am Freitag, 24. April, ab 15 Uhr eine Anleitung ins Netz stellen.

              Online-Klimaaktionen in Köln: Fashion Revolution Week
              Näherin in einer Textilfabrik in Dhaka, Bangladesch. Foto: Gisela Burckhardt/Femnet e. V.

              Kampagnen-Slogans – auch für die Sozialen Medien – kannst du hier hier kostenlos herunterladen. Ein Bild oder eine Story von dir postest du dann bei Instagram und Facebook mit den Hashtags#FashRevCologne, #FashionRevolution, #WhoMadeMyClothes.

              Am Wochenende wird getanzt: Von Freitag bis Sonntag, 24. bis 26. April, jeweils um 16 Uhr, soll jede und jeder mitmachen. Am offenen Fenster, auf dem Balkon oder unterwegs, zu einem Lied eigener Wahl. Unsere Vorschläge: „Fashion“ von David Bowie oder „Tanz die soziale Distanz“ von Theodor Shitstorm.

              Wichtig auch hier: versammeln verboten! Aber dafür umso mehr Bilder und Videos in die Sozialen Medien stellen: #DanceForSlowFashion.

              21./22. April: Earth Day

              Online-Klimaaktionen: Earth Day
              Parachutes For The Planet bei einer FFF-Demo in Aachen 2019. Foto: Sandra Prüfer

              Auch der Earth Day fällt in diese Woche. Der Tag der Erde wird weltweit am 22. April 2020 begangen und soll die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken – in diesem Jahr bereits zum 50. Mal. Die Bonner Umwelt-Networking-Gruppe Green Drinks feiert diesen Special Earth Day schon einen Tag früher, und zwar am Dienstag, 21. April, um 19 Uhr. Mit einem virtuellen Zoom-Meeting mit Vorträgen, Poetry Slam und Live-Musik, an dem alle Interessierten von ihren Rechnern oder Smartphones aus teilnehmen können.

              Als Special Guest der digitalen #EarthRise-Party wird Barton Rubenstein dabei sein. Der Künstler, Wissenschaftler und Umweltaktivist hat 2015 die Non-Profit-Organisation Mother Earth Project mitgegründet. Er berichtet von der bevorstehenden Installation einer von ihm gestifteten Mother Earth Sculpture – der ersten in Europa – an der Bonner Rheinufer-Promenade und der Idee dahinter.

              Online-Klimaaktionen: Earth Day
              Visualisierung der Mother Earth Sculpture am Bonner Bogen. Foto: Jörg Haas/Barton Rubenstein

              Es gibt eine Online-Präsentation des Kunstprojekts Parachutes for the Planet, bei dem es darum geht, Spiel-Fallschirme bunt zu bemalen – als eine Metapher zur Rettung der Erde. Bislang haben sich daran Schulen und Umweltgruppen in 73 Ländern auf sechs Kontinenten beteiligt, darunter 20 aus Bonn. Die wurden im vergangenen Jahr bei Fridays-for-Future-Demos durch Bonn und Aachen getragen.

              Zudem stellt Filmemacherin Johanna Jaurich (fechnerMedia) ihr Filmprojekt „Fridays – It’s our Future“ vor. Die Doku, die per Crowdfunding finanziert wird, berichtet von der Entwicklung der FFF-Bewegung. Sieben Jugendliche, die in besonderem Maße von den Problemen der heutigen Zeit betroffen sind, geben Einblicke in ihren Alltag in Europa, Asien, Ozeanien, Afrika, Nord- und Südamerika.

              Klimaaktionen: Doku mit Luisa Neubauer
              Szene aus der Doku „Fridays – It’s our Future“ mit Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Foto: fechnerMedia

              Üblicherweise finden die offenen Vereinstreffen an jedem zweiten Dienstag im Monat an wechselnden Orten im Bonner Stadtgebiet statt. Hier gibt’s mehr Infos. Das Online-Meeting ist für Teilnehmer kostenfrei. Nach der Registrierung über Eventbrite erhält man ein Passwort für den Zoom-Zugang. Wer neu bei Zoom ist, kann schon um 18.45 Uhr beitreten und erhält eine kurze technische Einführung.

              24. April: Globaler Klimastreik

              Der Höhepunkt der Woche ist der Globale Klimastreik am Freitag. „Jetzt entscheidet sich, wie die Welt nach Corona aussehen wird: klimafreundlich oder voller dicker Autos“, heißt es dazu bei Fridays for Future. Geplant ist die größte Online-Demo aller Zeiten – mit Netz- und Fensterstreik sowie mehreren Live-Streams.

              Zum Fensterstreik gehört übrigens doch, dass Aktivisten auf die Straßen gehen, allerdings ohne dabei gegen die Corona-Regeln zu verstoßen: Zu zweit werden zusammenlebende Menschen auf Lastenrädern durch Köln fahren und Stimmung machen.

              Wer wenigstens ein eigenes Demoschild dabei sein lassen will, kann das machen. Die Schilder werden am Freitag am Alter Markt ausgestellt und danach für eine Kunstaktion verwendet. Es gibt mehrere Sammelstellen, die die Schilder bis Mittwoch, 12 Uhr, annehmen. Bisher gehören dazu:

              Online-Klimaaktionen in Köln: Globaler Klimastreik
              Zum Streiken ans Fenster: Für ein anderes System. Foto: Zero Waste Köln

              Alle anderen können die Demo von ihren Fenstern aus lautstark unterstützen. Oder ins Internet gehen. Um 12 Uhr beginnt die Online-Demo von Fridays for Future auf deren Youtube-Kanal – mit Livemusik und Reden von Aktivistinnen und Aktivisten wie Greta Thunberg.

              Auch Fridays for Future Köln bietet auf seinem Youtube-Channel ein zweistündiges Live-Programm mit Infos und Unterhaltung. Los geht’s um 14 Uhr. Den ganzen Tag über läuft der Netzstreik.

              Unter den Hashtags #netzstreikfürsklima, #climatestrikeonline und #UniteBehindTheScience2404 sollen alle Bilder von ihren Demoschildern, Bannern und sonstigen Aktionen posten, um zu zeigen, dass sie auch in Zeiten von Corona gegen den Klimawandel kämpfen. Jetzt erst Recht!

              Die Essensretter von Kölle

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                Nicole Klaski hat ein Herz für krumme Gewächse. Foto: Veith

                Prall gefüllt sind die Regale von The Good Food – mit allerlei leckeren Lebensmitteln, die sonst weggeworfen würden. Die Kölner Initiative kommt so gut an, dass sie jetzt expandiert.

                Vor dem Ladenlokal in der Kölner Sülzburgstraße 164 wächst die Schlange. Kunden warten in einigem Abstand zueinander, bis sie – in keimfreien Dreiergruppen – endlich von einer jungen Frau mit Mundschutz in den Kiosk gewunken werden. Dieser Tage ein gewohntes Bild.

                Doch an den Covid-19 bedingten Einlass-Beschränkungen allein liegt die Rudelbildung nicht. Heute gibt es Erdbeeren! Erdbeeren, die eigentlich auf dem Müll gelandet wären. Wären da nicht Nicole Klaski und ihre Mitstreiter von The Good Food – DEM Reste-Supermarkt aus Köln Ehrenfeld, der seine erste Zweigstelle im hinteren Teil des Büdchen Casablanca in Sülz eröffnet hat. Seitdem gehen auch im Kölner Süden die abgelaufenen Köstlichkeiten und das krumme Jemös genauso gut weg wie die Semmeln vom Vortag.   

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                Die neue Zweigstelle von The Good Food im Büdchen Casablanca. Foto: Ketelsen

                Das Konzept von Gründerin Klaski und ihrem stetig wachsenden Team aus überwiegend ehrenamtlichen Helfern ist so simpel wie schlüssig: The Good Food rettet Lebensmittel, die sonst im großen Stil im Abfall gelandet wären, und verkauft sie zum „Zahl, was es dir wert ist“-Preis weiter. Das klingt nach Batik und Barfuß, ist aber anders: Die Regale sind prall gefüllt – nicht nur mit Lauch und Chiasamen, sondern auch mit Popcorn und Craftbier.

                „Mindestens haltbar“ heißt nicht „Tödlich ab“

                Momentan steht eine ganze Charge Schulmilch im Kühlschrank, die wegen der Corona-Maßnahmen keinen Abnehmer gefunden hat und kurz vorm Ablaufen ist. „Dabei bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum ja aber mindestens haltbar und nicht tödlich ab„, erklärt Klaski mit einem Augenzwinkern.

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                Alles frisch Gerettete kostet, soviel es dem Käufer wert ist. Foto: Veith

                Ein längerer Aufenthalt in Nepal macht der studierten Juristin die geballte Perversion unseres westlichen Umgangs mit Nahrung bewusst. Rund 12 Millionen Tonnen größtenteils genießbare Lebensmittel wandern jährlich in Deutschland in den Müll – 75 Kilo pro Kopf. Mit den Nahrungsmitteln, die allein in Europa und Nordamerika weggeschmissen werden, könnte man alle Hungernden dieser Welt dreimal statt bekommen. Alle! Dreimal!

                Essen wegschmeißen macht Essen teurer

                Wer jetzt poltert, man könne ja aber wohl schlecht die Reste vom Mittagessen nach Mali schicken – aufgepasst: Die Nachfrage regelt das Angebot. Immer über alles, zu jeder Zeit und im Übermaß verfügen zu wollen, feuert den Markt an. Essen wegschmeißen verschwendet Ressourcen, führt in der Folge zu ihrer Verknappung und damit zu einem Preisanstieg. Am Ende hat der arme Teil der Weltbevölkerung das Nachsehen und wir dicken Europäer hätten in der Tat sehr wohl was daran ändern können.

                „Das hat mich total genervt!“ Nicole Klaskis Erkenntnis bringt sie 2013 zunächst zu foodsharing, einer Initiative, die unter anderem in ganz Deutschland die sogenannten Fair-Teiler betreibt und so viele verschmähte Lebensmittel doch noch ihrer Bestimmung zuführt – nämlich gegessen zu werden.

                Ich will auch Dinge retten, die erst gar nicht in den Supermarkt kommen.

                Nicole Klaski

                „Das ist toll, setzt allerdings am Ende der Wertschöpfungskette an. Ich wollte auch die Dinge retten, die erst gar nicht in den Supermarkt kommen und für die man dann vielleicht auch ein bisschen mehr Logistik aufwenden muss.“ Sprich: Geld. Mit einer Gleichgesinnten bewirbt sich Klaski 2015 deshalb um ein Stipentium von Social Impact. Mit Erfolg. Und ab hier nimmt alles seinen Lauf.

                Zweibeinige Möhren und knubbelige Kartoffeln

                Die beiden gehen selbst aufs Feld eines befreundeten Bauern und ernten, was ansonsten zurück bleiben würde. Denn Produktion, Handel und nicht zuletzt wir, die verzogene Kundschaft, lassen Obst und Gemüse mit allzu charakteristischen Abweichungen liegen: zu krumm, zu fleckig, zu wenig in der Norm ist „Bäh!“.

                „Das finde ich super schade.“ Genau wie die ersten Kunden, die Klaski von ihrem ersten selbstgezimmerten Marktstand aus mit den zweibeinigen Möhren und knubbelige Kartoffeln versorgt. Unter ihnen sind mit der Zeit auch immer mehr Leute, die selbst mit anpacken wollen – wie ein Hausbesitzerpaar aus Ehrenfeld, das The Good Food sein erstes Ladenlokal in der Venloer Straße 414 zur Miete anbietet. Der Startschuss zum ersten offiziellen Reste-Supermarkt Deutschlands.

                Wachsen, aber natürlich!

                The Good Food fff.cologne FFF Köln
                Auch in Sülz ist alles abgelaufen, aber nicht tödlich. Foto: Ketelsen

                Seitdem hat Nicole Klaski an die 80 Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewonnen und mit ihnen zusammen viel erreicht. Der Laden finanziert sich selbst, ein größeres Lager konnte angemietet werden und seit kurzem gibt es sogar ein nagelneues Lastenrad für den CO2-neutralen Transport. Außerdem kann sich Klaski nach fünf Jahren selbst ein Gehalt für ihren Vollzeitjob auszahlen und – darüber ist die 37-jährige besonders froh – auch noch drei weiteren Teilzeitkräften eine Stelle schaffen. „Das bringt uns Kapazitäten für ein paar Experimente“, freut sich Klaski. Die Dependance im Büdchen Casablanca zum Beispiel. Und die läuft super an.

                Nur nicht zu viel auf einmal – Klaski setzt auf schrittweise Entwicklung. Zeitweise hat The Good Food auch Caterings und Kochkurse angeboten. „Aber das hat mehr Stress verursacht als Nutzen gebracht. Das hat einfach noch nicht in unsere Struktur gepasst.“ Also haben Klaski und ihr Team erst einmal wieder einen Gang runter geschaltet und schauen lieber, was sich aus ihren Möglichkeiten selbst ergibt. Und darum geht es ja: organisches Wachstum – ob im Unternehmen oder bei den zweibeinigen Möhren.

                In ihrem YouTube-Channel geben The Good Food Kochtipps: Folge 1 mit Ute Symanski von Aufbruch Fahrrad.

                Zur Website von The Good Food

                Dank an Nachhaltige Fotografie Simon Veith

                Foodsharing de luxe

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                  Die iPhone- und Android-App „To Good To Go“ rettet hochwertige Lebensmittel vor dem Abfalleimer und spart so tonnenweise CO2.

                  Allein schon die Namen! „Cannoli siciliani“, „Cornetti“, „Bomboloni“, „Genovesi“, „Cartoccio“ … All diese italienischen, speziell sizilianischen Leckereien wären in der Mülltonne gelandet und nicht in meinem Magen. Stattdessen packt mir Angelo Tardino, der Chef der Caffetteria il Vico, das wohlschmeckende Gebäck in meine mitgebrachten Plastikboxen – für nicht mal den halben Preis. Und ohne „Too Good To Go“ hätte ich das kleine Café in Nippes – liegt es auch nur wenige hundert Meter von meinem Zuhause entfernt – vielleicht nie betreten.

                  Die App bietet Zugang zu einer Art Luxusvariante von Lebensmittelrettung. Während Foodsharing üblicherweise komplett ehrenamtlich funktioniert und den Nutzer gar nichts kostet, bietet Too Good To Go einen Kompromiss: mehr Verbindlichkeit und Neuentdeckungen für kleines Geld.

                  Genuss vor Ladenschluss

                  Die App vermittelt zwischen Restaurants, Imbissen, Cafés, Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien, Tankstellen und Hotels auf der einen und Kunden auf der anderen Seite. Die Betriebe schätzen ab, wie viele Portionen aus ihren Auslagen und von ihren Büfetts übrig bleiben werden. Über die App können registrierte Nutzer diese Überbleibsel reservieren, per Paypal oder mit Kreditkarte bezahlen und zu einer festgelegten Zeit abholen, meist kurz vor Ladenschluss. Too Good To Go finanziert sich über eine kleine Provision, die bei jeder verkauften Portion anfällt.

                  fff To Good To Go
                  Da lacht die Lunchbox. Foto: Züger
                  fff To Good To Go Köln

                  Ganz genau weiß man vorher nicht, was einem die Mitarbeiter vor Ort in die mitgebrachten Dosen oder in die vorbereiteten „Wundertüten“ packen. Aber die App bietet eine „Das sagen andere User“-Bewertung der Anbieter. Nutzer vergeben bis zu fünf Sterne, benoten Service, Qualität und Portionsgrößen.

                  Kategorisch sortiert

                  Außerdem gibt’s die Kategorie „Inhaltsstoffe & Allergene“, die allerdings oft nicht aussagekräftig ist. Meist steht dort nur der freundliche Hinweis, man möge bei Bedenken direkt im Laden nachfragen.

                  Apropos Kategorien: Die Angebote sind in Gruppen sortiert. Ganz oben stehen „Empfehlungen für dich“, ganz unten „Deine Favoriten“, die der Nutzer selbst festlegen kann. Weiterhin sieht man Angebote für Mittag- und Abendessen sowie „Das könntest du mögen“-Empfehlungen. Backwaren, Lebensmittel und Vegetarisches werden einzeln aufgelistet, Speisen zum sofortigen Verzehr oder mit der Abholzeit am nächsten Tag. Und auch solche, die man „gerade verpasst“ hat – fürs nächste Mal.

                  Die Homepage, über die die App heruntergeladen werden kann, listet auf, was die Lebensmittelrettung zum Mitnehmen bislang gebracht hat. Aktuell sind es gut 35 Millionen gerettete Mahlzeiten. Das entspricht 88.000 Tonnen Kohlendioxid. Essen fürs Klima – wenn’s doch immer so einfach wär‘!


                  Zur Website von To Good To Go

                  Ähnlich, aber anders:

                  „Wir dürfen die Klimakatastrophe nicht aus den Augen verlieren.“

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                    Ein Videoclip geht viral: Promis wie Rike Schmid, Jan Delay und Rezo rufen dazu auf, GermanZero zu unterstützen. Die Initiative will Deutschland bis 2035 Klima-neutral machen. Im Interview erklärt Sabine Jankowski – zuständig für Kooperationen und Fundraising – wie du dich vor Ort für das bundesweite Projekt engagieren kannst.

                    Worum geht’s bei GermanZero?

                    SABINE JANKOWSKI: Wir wollen, dass die Bundesregierung ihr 1,5-Grad-Ziel, das 2015 in Paris vereinbart wurde, einhält. Dazu hat GermanZero 2019 im engen Austausch mit Dutzenden Experten und Wissenschaftlerinnen die Grundzüge eines wirksamen, fairen Maßnahmenpakets entwickelt, wie Deutschland die 2015 in Paris vereinbarten Klimaschutzziele einhalten kann, den 1,5-Grad-Klimaplan. Diese Vorlage übersetzt GermanZero 2020 mit Juristinnen und Fachleuten in einen tragfähigen Entwurf für ein 1,5-Grad-Klimagesetz. Mit Hilfe tausender Freiwilliger und einer bundesweiten Kampagne soll der Gesetzesentwurf 2022 durch den neuen Bundestag gebracht werden. Zusätzlich startet GermanZero noch in diesem Jahr eine Welle kommunaler Klima-Entscheide. Auf lokaler Ebene werden in zahlreichen Städten Bürgerbegehren auf den Weg gebracht. Das Ziel: Deutschland Stadt für Stadt in zehn Jahren Klima-neutral zu machen.

                    Das spielt in der ganz großen Politik in Berlin. Was kann ich denn hier in Köln dazu beitragen?

                    SABINE JANKOWSKI: GermanZero versteht sich als Initiative, die Druck von unten auf die Politik aufbauen will. Ein ähnliches Vorgehen hat einer unserer Gründer, Heinrich Strößenreuther, schon mit dem „Volksentscheid Fahrrad“ in Berlin initiiert und damit für Deutschlands erstes Mobilitätsgesetz gesorgt. Wie bei jeder erfolgreichen Kampagne sind wir auf ehrenamtliche Unterstützung durch Menschen angewiesen, die auf breiter Ebene diesen Druck mit uns aufbauen, Aktionen umsetzen oder ihr Fachwissen einbringen. Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche andere Möglichkeiten mitzuhelfen. Wer sich einbringen möchte, kann sich über das Mitmach-Formular auf unserer Website bei uns melden.

                    Wir wollen weiter wachsen!“

                    Sabine Jankowski

                    Das klingt nach einer Menge Aufbauarbeit. Wie weit seid Ihr damit schon?

                    SABINE JANKOWSKI: Derzeit besteht GermanZero aus einem Team von 15 festen und mehr als 1000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir wollen in den nächsten Wochen und Monaten weiter wachsen, um unsere Ziele erreichen zu können. 

                    Sabine Jankowski German Watch
                    Sabine Jankowski, Fundraiserin bei GermanZero. Foto: Magdalena Lepka

                    Wie finanziert Ihr diesen Aufwand?

                    SABINE JANKOWSKI: Wir sind ein gemeinnütziger Verein, wir decken unsere Kosten allein durch Spenden. Die Corona-Krise hält natürlich auch GermanZero in Atem. Umso wichtiger ist es für uns, dass wir die noch sehr viel größere weltweite Bedrohung durch die Klimakatastrophe nicht aus den Augen verlieren. Jetzt benötigen wir dringend Geld, damit die Arbeit professionell und zügig weitergehen kann. Deshalb sind wir derzeit für jede finanzielle Unterstützung dankbar.


                    Zur Website von GermanZero.

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                      fffcologne nachhaltigkeit klima köln blog
                      Mach auch Du Geschichten aus Köln sichtbar!

                      Du hast Kapazitäten frei und willst Dich für eine gute Sache ehrenamtlich einbringen? Du interessierst Dich dafür, was in Köln in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz bereits passiert? Du kennst Menschen, die bereit sind, sich für ihre politischen Interessen einzusetzen und ihre Meinung kund zu tun? Du wolltest schon immer Teil einer gut gelaunten Redaktion sein? Wenn Du bei der nächsten Tiefenmeditation mindestens eine der vier genannten Fragen mit einem überzeugten „Ja, vielleicht“ beantworten kannst, bist Du unsere Frau, unser Mann, unser Divers!

                      Wir von fff.cologne vergrößern uns und erweitern das Redaktionsteam. Wir suchen Mitarbeiter*innen, die schreiben, filmen und/oder podcasten wollen. Dabei können wir uns gut vorstellen, dass Du in Eigenregie mit beispielsweise einem Beitrag pro Woche dabei bist. Momentan sind das hauptsächlich Beiträge in Textform, bald sollen Filme, Podcasts und Fotostrecken unser Œuvre erweitern.

                      Was sind Deine Themen?

                      Deine eigenen Format- und Themenvorschläge sind herzlich willkommen. Wir haben selbst eine Liste voller Ideen, die Du mit uns zusammen recherchieren und ausarbeiten kannst – online und offline. Von uns bekommst Du fundiertes Feedback und bei Bedarf fachliche Anleitung. Wir alle haben unser Handwerk von der Pieke auf gelernt und geben unser bescheidenes Wissen gerne weiter.

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                      Energie-sparend von unterwegs arbeiten: we <3 DIY
                      Foto und Laptop: Rocco Steuns

                      Bei der redaktionellen Arbeit kommst Du mit Menschen und Initiativen in Köln zusammen, die schon jetzt mit viel Power und Fantasie Neues möglich machen. Und gute Ideen sind ja bekanntlich ansteckend.

                      Jetzt kommt die weniger gute Nachricht: Wir sind in der Aufbauphase und haben nur wenig Budget. Die nächste Förder-Runde steht Ende April an. Bis dahin können wir für Eure Mitarbeit kein Geld bezahlen, denn auch unser eigener redaktioneller Einsatz ist derzeit ehrenamtliches Engagement. Wenn Du Dir trotzdem vorstellen kannst, Teil unserer Redaktion zu werden und den Aufbau von fff.cologne zu unterstützen, freuen wir uns umso mehr über eine aussagekräftige Email von Dir!

                      Herzlich,
                      Verena, Annelie und Sebastian